Erstmals konnten Wissenschaftler zeigen, dass Babies und Schimpansen hilfsbereit sind ohne eine Gegenleistung zu erwarten
Bislang galt als gesichert, dass Menschen zwar zu selbstloser Hilfe fähig sind, nicht aber die uns nächstverwandten Primaten. Auch bei Kindern unter 18 Monaten nahmen die Forscher keine Fähigkeit zum Handeln aus Nächstenliebe an. Doch Felix Warneken und Mike Tomasello vom Max-Planck-Institut in Leipzig wurden bei ihren Versuchen überrascht, wie sie diese Woche in „Science“ berichten.
Die Kleinkinder halfen ihnen fremden Menschen bei der Bewältigung von Aufgaben. „Das Ergebnis ist erstaunlich, weil die Kinder noch so jung sind – die tragen noch Windeln und sind kaum in der Lage zu sprechen“, sagt Warneken, „und doch zeigen sie schon die Bereitschaft zur Hilfe.“
In den Versuchen musste Warneken verschiedene Aufgaben erfüllen, zum Beispiel Wäsche aufhängen. Während der Arbeit ließ er absichtlich Wäscheklammern so weit von sich fallen, dass er sie nicht mehr erreichen konnte. Tatsächlich halfen ihm praktisch alle Kinder, die Wäscheklammer wiederzubekommen.
„Die Kinder haben die Klammern nicht automatisch aufgehoben. In einem anderen Versuch habe ich sie absichtlich auf den Boden geschmissen und sie haben sie nicht aufgehoben. Nur wenn sie annahmen, ich brauche die Klammern um mein Ziel zu erreichen, halfen sie mir“, erzählt Warneken.
Die gleichen Aufgaben stellte Warneken auch Schimpansen. Die von Menschen aufgezogenen Tiere halfen ihm ebenfalls, wenn er an einen Gegenstand außerhalb seiner Reichweite zu gelangen versuchte. „Das ist das erste Experiment, in dem selbstlose Hilfe zum Erreichen eines Ziels bei einem nichtmenschlichen Primaten gezeigt wird“, sagt Warneken. „Es wurde immer behauptet, Schimpansen würden nur für sich selbst handeln, doch in unserem Experiment gab es für sie keine Belohnung und sie halfen immer noch.“
Offenbar gab es schon vor sechs Millionen Jahren eine Spur von Nächstenliebe, noch bevor sich Schimpansen und Menschen voneinander trennten.
Science/GesundheitPro.de |