Der Schmerz quält Millionen Menschen. Doch es gibt wirksame Hilfe
Wer regelmäßig von Sodbrennen und saurem Aufstoßen gequält wird, leidet häufig dauerhaft unter einer stark eingeschränkten Lebensqualität. Das ist das Ergebnis einer internationalen Umfrage unter mehreren tausend Betroffenen. Studienleiterin Professor Ingela Wiklund von der Universität Bergen vergleicht die Situation sogar mit dem Leiden von Rheuma- und Diabetespatienten.
Zwar ist das Sodbrennen keine lebensbedrohliche Erkrankung, aber immerhin ein teilweise sehr schmerzhaftes Symptom. Es tritt auf, wenn aggressive Magensäure in die Speiseröhre gelangt und dort die empfindlichen Schleimhäute reizt. Die Folge der „Reflux“-Erkrankung (auf Deutsch: „Rückfluss“) ist ein schmerzhaftes Brennen im Oberbauch, das manchmal bis hinter das Brustbein ausstrahlt. Jeder zweite Deutsche kennt diese Beschwerden, zehn Millionen Bundesbürger leiden Schätzungen zufolge mehrmals pro Woche darunter.
Asthma als Folge Bei gesunden Menschen dichtet ein Ringmuskel den Mageneingang wie ein Ventil ab. So können zwar Nahrung und Flüssigkeit mit dem Schluckreflex in den Magen, aber kein Mageninhalt mehr zurück in die Speiseröhre gelangen. „Vor allem bei älteren Menschen erschlafft dieser Muskel zunehmend“, weiß Dr. Volker Ellenrieder, der an der Universitätsklinik Ulm eine Sodbrennen-Sprechstunde leitet. Nach dem Essen und manchmal auch im Liegen fließt saurer Mageninhalt in die Speiseröhre zurück und löst Sodbrennen aus.
Wer häufig darunter leidet sollte unbedingt zum Arzt gehen. Das Aufsteigen der ätzenden Säfte verursacht bei jedem zweiten Patienten Schäden an der Schleimhaut der Speiseröhre. Das Krebsrisiko steigt dadurch auf das 30- bis 50fache. Bei starken Schmerzen, Appetitlosigkeit, Erbrechen, großem Gewichtsverlust oder Schluckbeschwerden müssen Sie zum Arzt. Bei Blutungen oder schwarz gefärbtem Stuhl rufen Sie den Notarzt!
Nicht in allen Fällen bleiben die Symptome auf brennende Schmerzen im Oberbauch begrenzt. Manchmal gelangt die Magensäure sogar bis zum Kehlkopf hinauf und reizt dort die Rachenschleimhaut. Im Schlaf gerät die ätzende Säure bisweilen auch über die Luftröhre in die Bronchien und löst – bewusst oder unbewusst – Hustenanfälle oder Räuspern aus. Geschieht das öfter, drohen sogar chronische Erkrankungen der Atemwege wie Asthma oder Bronchitis.
Neben älteren Menschen sind auch Schwangere häufiger betroffen. Bekannt ist außerdem, dass bestimmte Medikamente den Schließmuskel am Mageneingang erschlaffen lassen und somit Sodbrennen begünstigen. Dazu zählen manche Asthma-, Herz- und Blutdruckmedikamente. „Untersuchungen in den USA zeigen, dass auch eine genetische Veranlagung vorliegen könnte“, erläutert Ellenrieder. „Tatsächlich ist es bei Reflux-Patienten so, dass Verwandte ersten Grades ebenfalls häufiger unter Reflux leiden.“ Doch Genaueres sei noch nicht bekannt.
Vorsicht ist angesagt bei Sportarten, bei denen sich Druck im Bauchraum aufbaut. Dazu zählen Ausdauerdisziplinen wie Marathonlauf oder Krafttraining – sie könnten Beschwerden auslösen. Regelmäßige moderate Bewegung kann diesen aber auch entgegenwirken. „Auf Sport sollte man nicht verzichten“, erklärt Ellenrieder, „sondern das Problem über die Lebensgewohnheiten angehen.“
Nach dem Genuss scharfer, fettreicher und süßer Speisen produziert der Magen meistens vermehrt Säure, und die Beschwerden verschlimmern sich. Ungünstig sind Tomatenprodukte, Zitrusfrüchte und Schokolade. Nicht selten klagen Betroffene nach dem Trinken von Weißwein über verstärktes Sodbrennen. Kohlensäurehaltige Getränke fördern das saure Aufstoßen und sind ebenso ungeeignet wie alle alkoholischen Getränke und Fruchtsäfte. Besser auf stilles Mineralwasser oder milde Saftschorlen.
Übrigens sind Raucher ebenfalls verstärkt von der Reflux-Erkrankung betroffen, da Nikotin den Speichelfluss verringert, der die Magensäure neutralisiert. Bei leichten Beschwerden können säurebindende Medikamente helfen. Sie enthalten Wirkstoffe wie Hydrotalcit, Algeldrat, Magaldrat, Natriumaluminiumcarbonat sowie Kalzium- und Magnesiumcarbonat. Präparate mit Ranitidin oder Famotidin hemmen die Bildung von Magensäure und bewirken eine schnelle Linderung. Pflanzliche Mittel enthalten Extrakte aus Pfefferminze, Kümmel, Enzian und Schleifenblume – auch in verschiedenen Kombinationen. In den schwereren Fällen kann der Arzt Protonenpumpenhemmer verschreiben. Diese Medikamente mit Wirkstoffen wie Omeprazol, Pantoprazol oder Esomeprazol hemmen die Säurebildung am effektivsten, wirken aber nicht sofort.
Operation als letzte Möglichkeit „Etwa 90 Prozent aller Patienten können mit Medikamenten gut behandelt werden“, betont Ellenrieder. Die übrigen könnten von Operationen profitieren, bei denen der Schließmuskel mit einem minimal-invasiven Eingriff rekonstruiert wird. „Die Langzeitergebnisse sind sehr gut, wenn die Operation von einem erfahrenen Chirurgen in einem Spezialzentrum durchgeführt wird“, sagt Ellenrieder. Sehr viel verspricht er sich auch von neuen Operationstechniken, die im Rahmen einer Magenspiegelung eingesetzt werden. Diese Verfahren sind allerdings noch nicht ausgereift.
Hilfreiche Tipps Sodbrennen vorbeugen – Kleinere Mahlzeiten einnehmen. – Keinen Verdauungsschlaf halten. Essen Sie drei Stunden vor dem Zubettgehen nichts mehr. – Auf der linken Körperhälfte schlafen. – Verzichten Sie auf fette, süße, scharfe und saure Speisen sowie Zitrusfrüchte, Kaffee, Alkohol und kohlensäurehaltige Getränke. – Das Rauchen aufgeben. – Stress vermeiden. – Moderat Sport treiben und Übergewicht abbauen. – Keine enge Kleidung tragen.
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