Die Deutschen besitzen fast 500 Millionen Policen. Im Schnitt sind das sieben Versicherungen pro Bürger. Dennoch ist der Schutz oft nicht ausreichend. Was Familien wirklich brauchen
Der Dschungel der Versicherungen ist sehr schwer zu durchdringen. BABY & Familie führt Sie deshalb hindurch und erklärt Ihnen, welche Policen für Sie wichtig und welche überflüssig sind:
Die Privathaftpflicht- Versicherung Wer anderen Schaden zufügt, der haftet: Zum Beispiel, wenn der Fußball die Fensterscheibe durchschlägt. Aber auch, wenn ein Ball auf die Straße rollt, dadurch ein Auto ins Schleudern gerät und der Fahrer durch die Folgen des Unfalls lebenslang invalide ist. Eine Privathaftpflicht- Versicherung deckt Sach- und Personenschäden bis zur vertraglich festgelegten Höhe. Die Stiftung Warentest empfiehlt eine pauschale Versicherungssumme von mindestens drei Millionen Euro. Für eine Familie reicht eine Police. Unverheiratete Kinder sind im Vertrag der Eltern mitversichert – bis nach der ersten, direkt an die Schule anschließenden Ausbildung sowie während des Wehr- oder Zivildienstes. Günstige Versicherungen sind ab etwa 60 Euro Jahresbeitrag zu haben.
Schutz für Hab und Gut Je wertvoller Kleidung, Schmuck und Möbel sind, desto wichtiger ist eine Hausratversicherung. Sie zahlt den so genannten Neuwert des Hausrates, wenn er durch Brand, Blitzschlag, Explosion, Sturm, Hagel, Diebstahl oder Vandalismus beschädigt, zerstört oder abhanden gekommen ist. Meist müssen Einzelleistungen, zum Beispiel Fahrraddiebstahl, zusätzlich versichert werden. Der Beitrag richtet sich nach dem Wohnort und nach dem Wert des Hausrates. Dieser wird geschätzt, indem man sein Hab und Gut akribisch auflistet und regelmäßig aktualisiert, um Unterversicherung zu vermeiden. Als Alternative bieten Versicherer eine pauschale Berechnung von etwa 650 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche an. Hausbesitzer sollten sich zusätzlich gegen Schäden am Gebäude durch Feuer, Blitz, Hagel, Sturm und Leitungswasser mit einer Wohngebäude-Versicherung absichern. Der Beitrag richtet sich nach der Wohnfläche, manchmal auch nach Bauart und Ausstattung.
Absicherung für Hinterbliebene Für alle, die für den Fall ihres plötzlichen Todes ihre Hinterbliebenen (Kinder-, Ehe-, Lebens- oder Geschäftspartner) finanziell absichern möchten, ist eine Risiko-Lebensversicherung wichtig. Die Versicherungssumme wird nur nach dem Tod ausgezahlt. Stirbt der Versicherte nicht während der Laufzeit, bekommt er nichts. Der Beitrag hängt von Einstiegsalter, Geschlecht und besonderen Risiken wie Rauchen ab. So zahlt ein männlicher 30-jähriger Nichtraucher für eine Versicherungssumme von 150.000 Euro bei einer Laufzeit von 25 Jahren einen Jahresbeitrag von knapp 150 Euro (Frau: knapp 100 Euro). Für Ehepaare sind Versicherungen auf Gegenseitigkeit interessant. Sie zahlen nämlich einmalig, wenn der erste der Partner stirbt.
Lange Tradition hat die Kapital- Lebensversicherung, die durch Abschaffung des Steuerprivilegs seit Anfang des Jahres aber noch unattraktiver geworden ist. So funktioniert sie: Stirbt der Versicherte vor Ablauf des Vertrages, wird die vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen gezahlt. Lebt er bis zum Vertragsablauf, erhält er seine verzinsten Sparbeiträge. Eine Sonderform der Kapital- Lebensversicherung ist die Ausbildungs- Versicherung. Verbraucherschützer kritisieren Kapital- Lebensversicherungen als deutlich unflexibler und unrentabler als andere Formen des Sparens. Sie empfehlen stattdessen mindestens für den Ernährer der Familie eine Risiko- Lebensversicherung.
Versicherung für Invalidität Häufig ist eine Risikolebens- mit einer Berufsunfähigkeits- Versicherung kombiniert: Wird der Versicherte berufsunfähig, bekommt er eine Rente. Stirbt er, wird an die Angehörigen gezahlt. Solche Kombi-Produkte sind für Frauen meist günstig, für Männer in der Regel teurer als alleiniger Berufsunfähigkeits- Schutz. Ob mit oder ohne Risiko- Lebensversicherung – eine Berufsunfähigkeits- Versicherung braucht jeder, der wirtschaftlich von seiner Arbeitskraft abhängig ist. Immerhin: Jeder vierte Bundesbürger muss aus gesundheitlichen Gründen vor dem regulären Rentenalter aus dem Beruf aussteigen. Eine Berufsunfähigkeits- Versicherung zahlt dann eine vereinbarte Rente. Ob ein Kunde angenommen wird und wie viel er zahlen muss, beurteilt die Versicherung mit Hilfe einer Risikoprüfung. Geschlecht, Alter, Beruf und Gesundheitszustand sind entscheidend. Die Beiträge steigen bei zunehmendem Eintrittsalter überproportional. Eine Frau zahlt mehr als ein Mann, ein Maurer mehr als ein Akademiker. Beispiel: Tritt ein kaufmännischer Angestellter mit 30 Jahren in die Versicherung ein und vereinbart eine Rente von 1000 Euro monatlich, zahlt er für eine Police, die nur die Berufsunfähigkeit abdeckt, mindestens 463 Euro im Jahr (Frau: 510 Euro). Ist diese Rente mit einer Risiko- Lebensversicherung (Zahlung im Fall des Todes: 500.000 Euro) kombiniert, so beträgt der Jahresbeitrag mindestens 500 Euro. Wer sich keine Berufsunfähigkeits- Versicherung leisten kann, sollte sich durch eine private Unfallversicherung für den Fall absichern, dass er bei einem Unglück einen bleibenden Gesundheitsschaden erleidet. Die Mehrheit der Unfälle ereignet sich in der Freizeit und ist somit nicht von der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt.
Der Versicherte erhält eine einmalige Zahlung und/oder Rente, wenn er bei einem Unglück invalide wird. Wie viel Geld das ist, richtet sich nach der vereinbarten Versicherungssumme, dem Grad der Invalidität und dem Tarifmodell. Wer für eine hohe Invalidität vorsorgen möchte, sollte den Progressions- oder Mehrleistungstarif wählen: Die Leistung erhöht sich ab einem bestimmten Invaliditätsgrad überproportional. So erhält der Versicherte beispielsweise bei einem „P-500- Tarif“ und einer Versicherungssumme von 100.000 Euro 500.000 Euro, wenn er Vollinvalide wird. Für einen Erwachsenen kostet ein solches Modell mit einer Todesfallleistung von 10.000 Euro mindestens 100 Euro im Jahr, für ein Kind 65 Euro. Für den Nachwuchs ist die Kinderinvaliditäts- Versicherung eine Alternative: Sie zahlt, wenn das Kind einen dauerhaften Gesundheitsschaden erleidet – egal, ob durch Krankheit oder Unfall verursacht. Allerdings schließen viele Versicherungen angeborene oder psychische Krankheiten aus. Die Summe gibt es entweder als Einmalzahlung oder als Rente, die lebenslang gezahlt wird. Wird eine monatliche Rente von 1000 Euro vereinbart, so kostet das die Eltern mindestens 250 Euro im Jahr.
Schutz bei Rechtsstreit Im Fall eines Rechtsstreites übernehmen Rechtsschutz- Versicherungen Kosten wie Anwaltsgebühren oder Gerichtskosten. Sie werden nach verschiedenen Bereichen wie Verkehrs-, Miet- und Berufsrecht gegliedert. In der Regel gibt es Pakete. Aber Vorsicht: Wer was braucht, richtet sich nach individuellen Gegebenheiten. Gewerkschafts- Mitglieder benötigen keinen Berufsrechtsschutz, Mitglieder eines Mietervereins meist keinen Mietrechtsschutz. Sie können zum Beispiel zusätzlich eine Verkehrsrechtsschutz- Versicherung abschließen. Ehepartner sind immer mitversichert. Das gilt auch für nicht eheliche Partner, die im selben Haushalt leben, für eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartner und für noch nicht berufstätige Kinder. Ein Paket aus Privat-, Berufs- und Verkehrsrechtsschutz ohne Selbstbeteiligung kostet für einen Angestellten gut 190 Euro im Jahr.
Beratung: Peter Klipp, Versicherungsexperte bei FINANZtest (Stiftung Warentest)
Weitere Informationen:
– Das Heft „Finanztest SPEZIAL-Versicherungen“ (2004) können Sie unter Tel. 0180/5002467 bestellen
– Die Broschüre „Gut und günstig versichert“ bekommen Sie im Internet unter www.bundderversicherten.de
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