Auch Männer sind hormongeplagte Wesen – zumindest wenn sie unter dem ADAM-Syndrom leiden
Mit „Androgen-Defizit-Syndrom des Alternden Mannes“ beschreiben Ärzte Beschwerden wie Lustlosigkeit, Antriebsmangel und Potenzschwäche bei niedrigem Testosteronspiegel. „Im Durchschnitt sinken die Hormonwerte bei Männern schon ab dem 20. Lebensjahr“, bestätigt Dr. Michael Zitzmann von der Uni Münster. Das geht aber allmählich und trifft nicht jeden Mann. Bei manchen bleiben hohe Testosteronwerte bis ins hohe Alter erhalten: Mancher 90-Jährige ist noch zeugungsfähig. „Von Wechseljahren wie bei Frauen würde ich bei Männern daher nicht sprechen“, so Zitzmann.
Und Potenzprobleme, die vielen Männern in den besten Jahren Sorgen machen, haben meist andere Gründe: Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht schädigen Adern im ganzen Körper. Bemerkbar macht sich das zuerst im Penis. Sein weites Adergeflecht reagiert besonders empfindlich. Frühsymptom Erektionsschwäche: Der Penis wird auch Seismograph des Herzens genannt. Das Gefühl, in den Zeiten des Wandels weniger fit und häufiger niedergeschlagen zu sein, hat bei Männern wie bei Frauen ähnliche Gründe: beruflicher Stress, Schwierigkeiten in der Partnerschaft oder das unbestimmte Gefühl, das Leben ändern zu müssen und nicht recht zu wissen, wie.
„Auch bei Frauen werden Wechseljahres- Beschwerden viel zu häufig nur den Hormonen zugeschrieben“, sagt Medizinpsychologin Beate Schultz-Zehden aus Berlin. Wie eine Frau die Wechseljahre erlebt, hängt viel von den Lebensumständen ab. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder sexuelle Unlust können die Folge einer Kränkung in der Partnerschaft sein. Wenn Frauen mit ihrem Körper hadern, der im Vergleich mit straffen Modelbeinen und -bäuchen immer schlechter abschneidet, sind nicht Hormone schuld, sondern Angst vor dem Altern. Kein Wunder: Mehr als die Hälfte der Frauen einer repräsentativen Befragung fühlte sich von der Gesellschaft „zum alten Eisen gezählt“. Eine Frau, die Anregung und Bestätigung im Berufsleben findet, kommt oft besser mit körperlichen Veränderungen zurecht, das zeigen Untersuchungen.
Wandel mit Chancen Die Münchner Frauenärztin Prof. Dr. Marion Kiechle beobachtet, dass Frauen auch positive Seiten der neuen Lebensphase im Blick haben, etwa neue Freiheiten ohne Monatsblutungen und Verhütungsfragen. Viele sehen Wechseljahre als Reifeprozess. Sie entdecken neue Chancen, sich weiterzuentwickeln, ihre Weiblichkeit neu zu definieren. Bei diesem Prozess helfen vor allem einfache Strategien, da sind sich Ärzte und Psychologen einig. Wer ein neues Körpergefühl sucht, kommt an viel Bewegung und gesunder Ernährung nicht vorbei. Die wichtigsten Schritte ins neue Lebensgefühl für Männer und Frauen: mit Rauchen aufhören, Bluthochdruck senken, Stress abbauen. Denn: „Man kann nicht fünf Fehler im Lebensstil durch eine Pille aufwiegen“, sagt Internist Professor Dr. Eberhard Windler von der Universität Hamburg.
Sich mit dem neuen älteren Körper anzufreunden, wirkt sich positiv auf die Seele aus, bestätigt Paar- und Sexualberater Robert Bolz. Sein Tipp: „Denken Sie nicht nur an Ihre Vergangenheit. Packen Sie alte Fotoalben weg, stellen Sie ein aktuelles, schönes Foto von sich auf. Es soll Sie daran erinnern: Ihr Leben passiert jetzt.“
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