Mit einer neuartigen Substanz gelingt es, Knochen im menschlichen Körper zu regenerieren
Entstehen etwa bei Zahnoperationen Löcher im Kieferknochen, so lassen sich diese durch das neue Material aus Kalzium und Phosphat schließen. Dabei fungiert die Substanz nicht einfach als Lückenfüller, sondern regt den Körper an, die Verluste aus eigener Kraft zu ersetzen.
Entwickelt wurde die Substanz von einer Rostocker Firma, einer Ausgründung der Universität Rostock, und der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Rostock.
Die Substanz funkioniert folgendermaßen: „Zunächst einmal brauchen wir ein Loch – und dann so genannte Startersubstanzen, die dem Körper gewissermaßen die Idee geben, Knochen an der Stelle wachsen zu lassen, wo er fehlt“, erklärt Professor Karsten Gundlach, Direktor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Rostock.
Gundlach bezeichnet sie augenzwinkernd als „Wunderstoff“, denn die Substanz füllt das entstandene Loch nach einer Zahnoperation nicht einfach. Sondern: Die Substanz aus Kalzium und Phosphat sorgt dafür, dass der Körper das Loch selber schließt. „Und körpereigene Substanzen sind immer besser als Fremdmaterial“, so Gundlach. Die fremde Substanz wird nach und nach wieder abgebaut.
Begonnen wurde mit der Entwicklung des Stoffs bereits vor sechs Jahren in der Rostocker Zahnklinik. Im Januar erfolgte die Zulassung für den Markt. „Das Feedback ist erschlagend“, sagt Geschäftsführer Dr. Walter Gericke. Binnen weniger Monate fanden sich bundesweit etwa 400 Anwender. Jetzt peilt die Firma den EU-Markt an – und auf lange Sicht den Weltmarkt. Die Zulassung für 25 Länder hat Gericke bereits in der Tasche.
„Das neue Produkt ist viel besser als das, was sonst auf dem Markt ist“, lobt Gundlach, der die Substanz in Rostock als erster anwendete. „Wir haben seit Februar zwischen 30 und 40 Patienten behandelt. Die Ergebnisse sind sehr gut, das Material lässt sich hervorragend verarbeiten und ist überaus gewebeverträglich“, so Gundlach.
Eingesetzt wird die Substanz vor allem bei kleineren Defekten, die etwa durch Parodontose entstehen, so Professor Kai-Olaf Henkel, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie. Aber auch größere Reparationen seien möglich: Nach der Entfernung von Tumoren oder Zysten sei es bereits gelungen, selbst hühnereigroße Defekte repariert worden.
idw/GesundheitPro.de |