Das Problem der unerwünschten Wirkungen Will man mit Cortison eine Entzündung unterdrücken, Immunreaktionen abschwächen oder die anderen erwähnten Wirkungen auslösen, müssen dazu höhere Dosen gegeben werden als sie der Körper unter normalen Bedingungen herstellt. Dadurch besteht während der Behandlungszeit ständig ein Cortisonüberschuß und dieser kann zwei verschiedene Konsequenzen haben.
Cushing-Syndrom Einmal kann der Cortisonüberschuß zu Erscheinungen führen, wie sie vom Krankheitsbild der Nebennierenrinden-Überfunktion (Cushing-Syndrom) bekannt sind. In Abhängigkeit von Dosis und Dauer können sich Vollmondgesicht, Gesichtsrötung, Büffelnacken, Stammfettsucht, Dehnungsstreifen der Haut, Brüchigkeit der Hautgefäße, vermehrte Behaarung, Blutdruckanstieg, Wassereinlagerung im Gewebe, Blutzuckeranstieg, Erhöhung der Blutfette, Knochenbrüchigkeit, Muskelschwäche, erhöhte Infektionsanfälligkeit, seelische Veränderungen und Wachstumsstörung bei Kindern einstellen. Schließlich können auch Augenveränderungen auftreten, grauer oder grüner Star.
Nebennierenrinden-Insuffizienz Auf der anderen Seite hat ein durch die Verabreichung von Cortison erhöhter Blutspiegel zur Folge, daß der Körper kein Cortison zu bilden braucht. Ist die Nebennierenrinde über längere Zeit inaktiv, kann sie schrumpfen. Das hat während der Behandlung keine Nachteile. Wird aber die Therapie plötzlich abgebrochen oder gerät der Patient in eine akute Streßsituation, so kann die geschrumpfte Nebenniere nicht sofort reagieren. Man spricht von Nebennierenrinden-Insuffizienz. Daraus könnte für den Patienten eine gefährliche Situation entstehen.
Es ergibt sich also, daß die Folgen einer Cortisontherapie für den Organismus keine Nebenwirkungen im eigentlichen Sinne sind, sondern die zwangsläufigen Auswirkungen eines über längere Zeit erhöhten Cortisonspiegels. Diese sind natürlich für den betroffenen Patienten unerwünscht.
Häufigkeit Die Liste der unerwünschten Wirkungen, die sich ja auch in den Beipackzetteln aller Cortisonpräparate findet, mag erschrecken. Es muß aber bedacht werden, daß viele der unerwünschten Wirkungen ausgesprochen selten sind, daß die meisten nur bei hohen Dosen auftreten und daß sie fast alle bei Dosisreduktion bzw. nach Beendigung der Behandlung rückbildungsfähig sind. Auch treten niemals alle unerwünschten Wirkungen gleichzeitig ein. Durch entsprechende ärztliche Überwachung können sich anbahnende unerwünschte Wirkungen rechtzeitig erkannt und Komplikationen vermieden werden. Dazu gehören auch Vorsichtsmaßnahmen bei Risikopatienten sowie bei gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente. Es kommt hinzu, daß in den letzten Jahrzehnten Anwendungsformen entwickelt wurden, die die Risiken dieser Therapie erheblich reduzieren . Schließlich kann der Patient selbst sehr viel dazu beitragen, daß keine Komplikationen auftreten.
Fazit: Die Cortisontherapie kann heute so durchgeführt werden, daß sie nicht gefährlicher ist als jede andere hochwirksame Behandlung.
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