Die sogenannte Cortisonangst
Ursachen Es ist inzwischen schon mehrmals angeklungen, daß nicht wenige Patienten Angst vor einer Behandlung mit Cortison haben. Das hat vielerlei Ursachen: Von der Angst vor Chemie über die Ablehnung der wissenschaftlichen Medizin bis hin zu einem Urvertrauen in "das Natürliche". Es spielen aber auch Cortisonschäden, die in früheren Jahren durch damals weit höhere Dosen hervorgerufen worden sind, eine Rolle. Viele Medien haben zur Verbreitung der Cortisonangst beigetragen. Nur so ist es erklärbar, daß etwa 70% der Menschen, die nie Cortison genommen haben und kaum wissen, was Cortison ist, Bedenken gegen eine solche Behandlung äußern. Eine bedeutsame Rolle für die Angstauslösung spielen auch die allen Cortisonpräparaten beiliegenden sog. Waschzettel, die nach Gesetz alle jemals beobachteten unerwünschten Wirkungen aufzählen müssen, ohne dabei auf deren Bedeutung, ihre Häufigkeit, ihre Abhängigkeit von Dosierung und Dauer der Behandlung und schließlich auf ihre Rückbildungsfähigkeit hinweisen zu können.
Wege zu ihrer Beseitigung Der Hinweis des Arztes, daß es sich bei Cortison um einen körpereigenen Hormonstoff handelt, vermag nicht gegen die genannten Vorurteile anzukommen. Deshalb genügt die Aufklärung des Patienten, der einer Cortisonbehandlung bedarf, im allgemeinen nicht. Die irrationale Angst kann nicht durch rationale Argumente beseitigt werden. Wie bereits im Kapitel "Beitrag des Patienten zur Therapiesicherheit" ausgeführt, hängt alles von der vertrauensvollen Atmosphäre zwischen dem Arzt und seinem Patienten ab. Nur dann kann eine solche Therapie zum Nutzen des Kranken durchgeführt werden. Die Ärzteschaft ist verpflichtet, sich dieser oft schwierigen und meist auch zeitraubenden Aufgabe zu stellen. Es gibt genügend Beweise dafür, daß die Verweigerung einer Cortisontherapie zu schweren irreversiblen Schäden, ja sogar zum Tode des Patienten führen kann. |