Eines der wichtigsten Probleme: Die richtige Ernährung
Darüber, was eine gesunde Ernährung ist, gibt es sehr verschiedene und mehr oder weniger widersprüchliche Meinungen. Sicher ist, daß jede einseitige Ernährung falsch ist. Für Patienten, die langfristig ein Cortisonpräparat einnehmen müssen, gibt es begründete Empfehlungen für die Ernährung.
Zucker Da Cortison die Bildung von Zucker aus Eiweiß fördert und damit den Blutzuckerspiegel erhöht, muß der Zuckerkonsum stark eingeschränkt werden. Dazu gehören auch alle Süßigkeiten, Süßspeisen, süße Früchte, süße Limonaden sowie Weißmehlprodukte.
Kohlenhydrate Die Kohlenhydrate sind die wichtigsten Energieträger für den Menschen. Sie sollten in Form von Vollkornprodukten, Kartoffeln und Gemüse zugeführt werden. Die Menge richtet sich nach dem jeweiligen Kalorienverbrauch. Die Waage bringt es an den Tag! Eiweiß Im menschlichen Organismus wird ständig Eiweiß auf- und abgebaut. Da der Organismus Eiweiß - im Gegensatz zu Fett und Zucker - nicht selbst synthetisieren kann, ist ständige Zufuhr in der Nahrung erforderlich. Das ist noch bedeutsamer für Patienten, die Cortison einnehmen, da dieses Hormon den Eiweißabbau zur Zuckerbildung fördert. Eiweiß ist enthalten in Fleisch, Fisch, Milch und Milchprodukten, Eiern sowie in Hülsenfrüchten und Soja, in geringerem Umfang auch im Korn und Brot. Das pflanzliche Eiweiß besitzt nicht alle für den menschlichen Körper notwendigen Bestandteile (Aminosäuren). Die tierischen Eiweißträger haben den Nachteil, daß sie meist reichlich Fett enthalten. Deshalb ist es empfehlenswert, die Eiweißzufuhr je zur Hälfte aus tierischem und pflanzlichem Eiweiß zu decken. Der Bedarf an Eiweiß für den Erwachsenen liegt bei etwa 50g/Tag.
Fette Der Fettkonsum liegt in allen Industrieländern seit Jahrzehnten viel zu hoch. Da Cortison den Blutfettspiegel erhöhen kann, muß der Fettkonsum stark gedrosselt werden. Die Tagesmenge sollte 50-60g nicht überschreiten. Dazu muß berücksichtigt werden, daß etwa 40g in anderen Nahrungsmitteln versteckt sind, besonders in Fleisch, Fisch, Milchprodukten sowie im Brot, so daß für den Brotaufstrich nicht mehr als 10-20g bleiben. Berücksichtigt werden muß auch der hohe Fettgehalt von Nüssen.
Das Problem wird noch komplizierter, weil Fett nicht gleich Fett ist. Der menschliche Organismus kann gesättigte Fettsäuren schlecht verarbeiten, sie führen zu einem Anstieg des Blutfettspiegels. Der Fettkonsum sollte deshalb zumindest zur Hälfte durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren gedeckt werden. Besonderer Erwähnung bedürfen noch die sog. Omega-3-Fettsäuren. Das sind langkettige mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die besonders in Tiefseefischen vorkommen. Diese Fette erhöhen den Blutfettspiegel nicht nur nicht, sondern sind sogar in der Lage, ihn zu senken. Welche Fische diese Fette enthalten ergibt sich aus Tab. 6. Daraus leitet sich die Empfehlung für den Cortisonpatienten ab, 2-3x in der Woche einen Tiefseefisch zu essen. Ob die käuflichen Fischölpräparate die gleiche günstige Wirkung haben, ist noch nicht gesichert.
Kochsalz Kochsalz (Natriumchlorid) begünstigt die Entwicklung eines Bluthochdrucks. Cortisonprodukte führen in höheren Dosen zur Natriumretention. Deshalb muß die Salzzufuhr während einer Cortisontherapie eingeschränkt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, daß sehr viele Nahrungsmittel, ganz besonders Konserven und Fertiggerichte, relativ viel Salz enthalten. Um den Speisen Geschmack zu verleihen, sind alle pflanzlichen Gewürze erlaubt.
Im Abschnitt über die Vorbeugung (Prophylaxe) der Osteoporose wurde auf die Bedeutung einer ausreichenden Kalziumzufuhr in der Nahrung hingewiesen. Der Kalziumgehalt der verschiedenen Kalziumträger ergibt sich aus Tab.10. Es empfiehlt sich eine Mischung der verschiedenen kalziumhaltigen Nahrungsmittel, um auf die nötigen 1000mg/Tag zu kommen: Etwa 1/2l Mager- oder Buttermilch und 1/4l Magerjoghurt und 60g Magerkäse.
Wer die relativ großen Mengen von Milchprodukten aus Abneigung oder wegen einer Milchallergie nicht zu sich nehmen kann, muß auf die Einnahme entsprechender Präparate aus der Apotheke zurückgreifen.
Vitamine Ohne Vitamin D kann Kalzium aus dem Darm nicht aufgenommen werden. Dieses fettlösliche Vitamin ist in Fischen, Leber und Eiern enthalten. Zur Osteoporosevorbeugung (Prophylaxe) sollte es in Form genau dosierbarer Medikamente eingenommen werden.
Vitamin C ist notwendig für die Funktion der Nebennierenrinde. Es soll daher reichlich zugeführt werden. Eine Überdosierung gibt es nicht, da die nicht benötigten Mengen rasch ausgeschieden werden. Vitamin C ist vorhanden in Obst, Gemüsen und Salaten.
Fazit Ein Patient, der langfristig ein Cortisonpräparat einnimmt, kann durch eine bewußte Ernährung sehr viel für seine Gesundheit und speziell zur Vermeidung von Cortisonschäden beitragen.
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