Rückenschäden, Diabetes und Bluthochdruck treffen oft schon die Jüngsten
Manche Schreckensbotschaft kommt nicht wirklich überraschend. So war es auch, als im Mai dieses Jahres der weltweit jüngste Patient mit Typ-2- Diabetes diagnostiziert wurde: Ein Fünfjähriger aus Leipzig, 40 Kilo schwer, lebt nun mit der Krankheit, die früher einmal „Alterszucker“ hieß. Bewegungsmangel und Ernährungsfehler sorgen dafür, dass unser Nachwuchs immer häufiger von Krankheiten traktiert wird, die bislang als Problem der zweiten Lebenshälfte galten. Hier drei Beispiele.
Diabetes: Hohe Werte durch Übergewicht Bereits heute erkranken nach Schätzungen jährlich 210 Kinder und Jugendliche an Typ-2-Diabetes. Bei dieser Variante der Zuckerkrankheit kommt es zu einem schleichenden Rückgang der Insulinausschüttung in der Bauchspeicheldrüse – ein Vorgang, der vor allem durch falsche Ernährung, wenig Bewegung und Fettstoffwechselstörungen vorangetrieben wird. Typ-2-Diabetes gilt daher als typische Zivilisationserkrankung. Anders der Typ-1-Diabetes, der meist im Kindes- und Jugendalter ausbricht und daher auch als „jugendlicher Diabetes“ bezeichnet wird. Hier gehen die Zellen zugrunde, die das Insulin produzieren – vermutlich, weil das Immunsystem infolge eines „Programmfehlers“ die eigene Bauchspeicheldrüse attackiert. Noch sind die meisten jugendlichen Zuckerkranken Typ-1-Diabetiker. Das Verhältnis könte sich zugunsten des Typ-2- Diabetes umkehren“, befürchten Experten, ähnlich, wie es in manchen Regionen der USA schon der Fall ist. Dass die Entwicklung in Deutschland alarmierend ist, zeigt eine neue Studie von Kinder- und Jugendmedizinern der Universität Ulm. Die Wissenschaftler hatten 520 Jugendliche mit Übergewicht untersucht – jeder Dritte von ihnen wies bereits eine Vorstufe des Typ-2-Diabetes auf, eine so genannte Insulin Resistenz. Die Studie wirft auch ein Licht auf die Ursachen: Verantwortlich für den Vormarsch des „Alterszuckers“ ist in erster Linie die rasant steigende Zahl übergewichtiger Kinder, speziell im Schulalter. Rund 30 Prozent der 10- bis 13-Jährigen, so eine Statistik aus dem Jahr 2001, bringen bereits zu viel auf die Waage. Experten schlagen daher vor, Gesundheitsförderung zum Pflichtstoff im Unterricht zu machen. Auch die Eltern sind gefordert: Sie sollten zeigen, dass gesunde Kost Genuss bedeutet. Dazu gehört, dass das gemeinsame Essen wieder ein Mittelpunkt in der Familie wird – und nicht eine Begleittätigkeit beim Fernsehen.
Bluthochdruck oft übersehen Kaum jemand bringt zu hohe Blutdruckwerte mit Jugendlichen in Verbindung. Folge: Der Blutdruck wird nach Einschätzung von Dötsch bei den jungen Bundesbürgern zu selten kontrolliert. Daher fehlt bis heute eine genaue Statistik über die Häufigkeit des Bluthochdrucks bei den unter 18-Jährigen. Mittlerweile dürften etwa drei Prozent der Jugendlichen in Deutschland zu hohe Werte haben. In den USA, so eine Studie, ist der diastolische Blut druck (der untere gemessene Wert) von Jugendlichen seit Ende der 1980er Jahre im Schnitt um 3,3 Millimeter Hg oder 5,4 Prozent gestiegen. Wie beim Typ-2-Diabetes sind für den Trend zum Hochdruck hauptsächlich Übergewicht und mangelnde Bewegung verantwortlich. Werden die Werte nicht gesenkt, kann es zu Folgeerkrankungen wie Nierenschwäche oder Schlaganfall kommen (das gilt für Kinder und Erwachsene). Weil die Hochdruckkarriere der jungen Patienten aber so früh beginnt, ist das Risiko von Schäden im Verlauf des Lebens höher. Die gute Nachricht: Bluthochdruck lässt sich bei Jugendlichen meist ohne Medikamente behandeln. Schon vier Wochen täglicher Ausdauersport, haben Forscher errechnet, senken die Werte um bis zu 20 Millimeter Hg. Die schlechte Nachricht ist, dass diese Chance kaum genutzt wird. Jugendlichen, ist kaum zu vermitteln, dass ihr Bluthochdruck gefährlich sein soll, da er im Moment auch keine Beschwerden macht. Betreuungsprogramme, in denen Sozialarbeiter und Psychologen die Jugendlichen unterstützen, haben die Änderung des Lebensstils zum Ziel.
Rückenschäden fast normal Früher waren Rückenbeschwerden bei Kindern so gut wie unbekannt. Heute geben 40 Prozent der Schüler Wirbelsäulenschmerzen erlebt zu haben. Das viele Sitzen – im Schnitt sehen deutsche Kinder mehr als drei Stunden täglich fern – hat einen fatalen Effekt: das Training für die Muskulatur, die die Wirbelsäule stützt fewhlt, dadurch steigt die Gefahr von Haltungsschäden wie Hohlrücken – und das Risiko für Schmerzen. Auch die körperliche Geschicklichkeit leidet. Viele Erstklässler sind kaum in der Lage, auf einem Bein zu stehen. Dieses Defizit ist später kaum wettzumachen. Das Rezept: Eltern sollten selbst körperlich aktiv sein und so ihre Kinder motivieren.
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