Bei großem psychischem Stress vermindern Omega-3-Fettsäuren aggressives Verhalten Gesellschaft für Ernährungsmedizin: Beim Lernen statt Schokolade lieber Lachsbrötchen essen!
Nur noch drei Tage bis zur Prüfung, und der Prüfungsstoff sitzt immer noch nicht. Die wochenlange, nervenaufreibende Arbeit am Schreibtisch droht in ein „Ungenügend“ am entscheidenden Zeitpunkt zu münden, schon kleine Alltagsprobleme nerven. Da kann man schon mal aggressiv werden. Eine Omega-3-Fettsäure scheint hier Abhilfe zu verschaffen, berichtet Katrin Raschke, Diplom Oecotrophologin bei der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik* in Bad Aachen. Docosahexaensäure, (DHA) eine langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäure (= Eicosan) verminderte in einer Studie (1) das Auftreten aggressiven Verhaltens in stressigen Prüfungsphasen. 22 japanische Studenten erhielten täglich für drei Monate ein Präparat mit 1,5 bis 1,8 Gramm DHA. Die 19 Studenten der Kontrollgruppe bekamen statt dessen ein Scheinmedikament. Die Studie begann am Ende der Sommerferien und endete, als die Studenten wichtige Abschlussprüfungen zu bestehen hatten. Die Studenten der Kontrollgruppe zeigten während der Lern- und Prüfungsphase erhöhte Aggression gegen andere Personen, während sich die Probanden der DHA-Gruppe unverändert friedlich verhielten. DHA kommt vor allem im Öl fettreicher Fische wie Hering, Lachs oder Makrele vor. Daher sollten Studenten vor wichtigen Prüfungen zur Nervenberuhigung statt zur Schokolade lieber öfter zum Lachsbrötchen greifen, rät Katrin Raschke. Zur gezielten Supplementation sind Eicosan-Präparate in Apotheken erhältlich.
Die Ergebnisse der Studie sind besonders interessant, da Japaner wegen des hohen Fischkonsums ohnehin mehr Docosahexaensäure zu sich nehmen als Deutsche oder US-Amerikaner. DHA machte bei den japanischen Studenten zu Beginn der Studie drei Prozent aller Fettsäuren im Blutserum aus. Nach der Supplementation verdoppelte sich dieser Wert. Bei Amerikanern liegt der DHA-Gehalt im Serum dagegen nur bei etwa einem Prozent der Fettsäuren (2). Im Deutschland sieht es nach Einschätzung der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik ähnlich aus.
DHA ist ein wichtiger Bestandteil der Phospholipide des Gehirns. In der Schwangerschaft, bei Säuglingen und Kleinkindern ist dieses Eicosan wichtig für die Gehirnentwicklung. Aus langkettigen Fettsäuren stellt der Körper verschiedene Botenstoffe, beispielsweise Eicosanoide her, die viele Organ- und Stoffwechselfunktionen beeinflussen. Bereits mehrere Studien zeigten, dass die Fettsäuren im Blut die Menge von Botenstoffen im Gehirn beeinflussen. Die genauen Zusammenhänge sind allerdings noch unklar und müssen durch weitere Studien untersucht werden.
Weitere interessante Neuigkeiten aus der Ernährungsmedizin sind auf der Homepage der Gesellschaft http://www.ernaehrungsmed.de zu finden.
Quelle: (1) Hamazaki T, Sawazaki S, Itomura M et al.: The Effect of Docosahexaenoic Acid on Aggression in Young Adults. J Clin Invest 1996; 97: 1129-1133 (2) Hibbeln JR; Linnoila M; Umhau JC et al.: Essential fatty acids predict metabolites of serotonin and dopamine in cerebrospinal fluid among healthy control subjects, and early- and late-onset alcoholics. Biological psychiatry 1998; 44 (4): 235-42 |