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Fahr-Psychologie
Ein guter Beifahrer genießt und schweigt   Zur Druckansicht

Vor allem, wenn Frau fährt, wird das Auto schnell zur Kampfzone zwischen Fahrer und Mitfahrer. So kritisieren Sie mit diplomatischem Geschick

„Musst du so schnell fahren?“ „Halt doch mehr Abstand!“ „Überhol endlich einmal!“ – so oder ähnlich bekommt es der Mensch am Steuer vom Mitfahrer nicht selten zu hören. Aber auch wenn es schwer fällt, sollten Sie sich auf dem Beifahrersitz mit solchen Äußerungen zurückhalten. Eine aktuelle Studie des Reifenherstellers Uniroyal zeigt, dass Kritik am Fahrstil als größter Störfaktor empfunden wird und oft Auslöser länger andauernder Konflikte ist. Tatsächlich sind Fahrer und Beifahrer oft weit davon entfernt, ein optimales Team zu bilden – und das, obwohl die meisten Autofahrer einen Beifahrer an ihrer Seite haben wollen. Nur drei Prozent fahren lieber allein.

„Da vorne ist doch rot!“ – ganz falsch...
Die Kompetenz des Fahrers sollte möglichst nicht in Frage gestellt werden. Das bedeutet nicht, dass ein Beifahrer die Fahrweise widerspruchslos hinnehmen muss, doch Anmerkungen wie „Da vorne ist doch rot!“ sind meist überflüssig, weil das der andere in der Regel selbst schon längst bemerkt hat. „Fühlt sich der Fahrer in seiner Kompetenz angegriffen, kann es leicht zu Auseinandersetzungen kommen“, weiß Professor Dr. Bernhard Schlag vom Lehrstuhl für Verkehrspsychologie an der Technischen Universität Dresden. Statt Kritik empfiehlt er das Formulieren von Wünschen in der „Ich-Form“. Ist dem Beifahrer beispielsweise die Geschwindigkeit zu hoch, solle er von Vorwürfen absehen wie „Immer fährst du so schnell!“ und stattdessen die eigene Empfindung äußern: „Ich fühle mich unwohl, wenn es so schnell geht.“

Wenn´s eng wird – Ruhe bewahren
In brenzligen Situationen sei es ratsam, möglichst ruhig zu bleiben, sagt Schlag. Wer den Fahrer durch schnelle Bewegungen oder Lautstärke auf Gefahren hinweise, setze ihn zusätzlich unter Stress. Greifen Sie aber ein, wenn Sie den Eindruck haben, dass der Fahrer müde wird. „Sagen Sie ihm nicht, du bist doch viel zu müde zum Weiterfahren – lass mich ans Steuer!‘, sondern dass Sie gerne eine Pause machen würden. Schlagen Sie dann vor zu wechseln“, rät der Experte.

Gute Fahrer haben auch den Mitfahrer im Blick
Gute Autofahrer achten auf subjektive Empfindlichkeiten und nehmen Rücksicht darauf. „Fühlt sich ein Mit- fahrer im Auto nicht wohl, verhält er sich anders“, weiß Schlag. „Beispielsweise wird er plötzlich stumm, oder er redet mehr.“ Auch eine verkrampfte Sitzhaltung oder die Hand am Türgriff deuten darauf hin, dass er sich unwohl fühlt. Der Fahrer müsse in solchen Situationen entsprechend reagieren und zum Beispiel die Geschwindigkeit drosseln. Um spätere Unstimmigkeiten zu vermeiden, sollte er am besten vor Beginn der Autofahrt Abmachungen mit dem Beifahrer treffen. Dazu gehört etwa, wenn er in schwierigen Situationen (regennasse Fahrbahn, hohes Verkehrsaufkommen, Nebel) keine Ablenkung durch Gespräche oder laute Musik will.

Im Auto keine Grundsatz-Diskussionen
Auf Fehler des Beifahrers sollte man als Fahrer gelassen reagieren. Vorwürfe wie etwa „Kannst du keine Karten lesen?“, vergiften die Atmosphäre. Idealerweise übernimmt der Mitfahrer kleine Aufgaben, die das Fahren erleichtern, beispielsweise das Einstellen von Radiosendern oder das Reichen von Getränken. Emotional aufgeladene Diskussionen unterwegs – insbesondere über vorher nicht gelöste Probleme – sollte man vermeiden. Solche Gespräche fordern einen Großteil der Aufmerksamkeit, die der Fahrer eigentlich dem Verkehrsgeschehen widmen sollte. So endet der banale Streit über die Schlafzimmertapete womöglich mit einem Auffahrunfall.

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