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Kontaktekzem
Allergisch auf Piercing, Schmuck & Co.   Zur Druckansicht

Gegen allergische Hautreizungen sind Sie nicht machtlos. So besiegen Sie den Juckreiz

Reagieren die Deutschen auf das neue Geld allergisch? Eine Frage, die Anfang des Jahres für Zündstoff sorgte. Denn die 1- und 2-Euro-Münzen enthalten stellenweise etwa 500-mal so viel Nickel, wie nach dem Gesetz über Bedarfsgegenstände erlaubt wäre. Nickel gilt als einer der häufigsten Auslöser von Hautallergien. Privatdozent Dr. Jochen Brasch von der Uni-Hautklinik Kiel gibt Entwarnung: „Die gesetzliche Verordnung bezieht sich auf Gegenstände, die ständig auf der Haut getragen werden, wie etwa Schmuck.“ Münzen bleiben meist nur für Sekunden in der Hand. Außerdem steckt das Nickel zum Teil im Inneren der Münzen. „Selbst bei Kassiererinnen sind Allergien auf Geldmünzen daher sehr selten“, so Brasch.

Wann die Haut mit Abwehr reagiert
Das Beispiel Nickel zeigt, wovon das Auftreten eines Kontaktekzems abhängt: Je länger ein allergener Umweltstoff mit der Haut direkt in Berührung kommt und je höher seine Konzentration, desto größer die Gefahr, dass die Haut mit Abwehr reagiert. Das kann – wie zumeist beim Nickel – eine allergische Reaktion sein, bei der das Immunsystem der Haut gegen eine bestimmte Substanz mobil macht. Die Hautärzte sprechen dann von Kontaktallergie. Oder die Haut reagiert auf Reizstoffe (typisch etwa in Reinigungsmitteln), ohne dass die Ärzte eine Allergie ausmachen können. Die Konsequenz sieht in beiden Fällen ähnlich aus: starker Juckreiz, die Haut wird rot, bekommt Bläschen oder nässt.

Hautallergien: eine typische Frauensache?
An Kontaktallergien leiden bis zu neun Prozent der Deutschen. Bei Frauen werden sie etwa doppelt so häufig wie bei Männern festgestellt. Warum, bleibt unter Wissenschaftlern umstritten. „Dass Frauen öfter in hautbelastenden Berufen arbeiten, etwa in der Krankenpflege, oder dass sie eher zum Arzt gehen, erklärt den Unterschied nur zum Teil“, meint Brasch. „Offenbar spielen genetische Faktoren eine Rolle.“ Dafür spricht auch die Beobachtung, dass bereits Erkrankte ein erhöhtes Risiko für weitere Kontaktallergien haben.

Auf jeden Fall untersuchen lassen
Sorge macht den Hautärzten das kaum überschaubare Spektrum an Umweltstoffen, die als Allergie-Auslöser (Allergen) in Betracht kommen: Lösungsmittel wie Terpentin, Duft- und Konservierungsstoffe in Salben und Kosmetika, Latex in Einmalhandschuhen, Haarfärbemittel, sogar Inhaltsstoffe von Zimmerpflanzen wie Primeln – um nur einige Beispiele zu nennen. „Jeder, der juckende Hautreizungen hat, sollte zum Arzt gehen, damit ein Allergietest gemacht werden kann“, rät Brasch, „auch wenn es manchmal schwierig ist, den Übeltäter zu finden.“

Die Ärzte können Erfolge verbuchen
Nachdem die Krankheitszahlen bei den Kontaktallergien jahrzehntelang gestiegen sind, zeichnet sich jetzt erstmals eine Trendwende ab. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe:

Umweltstoffe, die Ärzte als häufige Allergie-Auslöser ausgemacht haben, wurden in manchen Fällen durch gesetzliche Beschränkungen entschärft. Beispiel: Nickel – wobei die Auflagen allerdings nur für in manchen Ländern hergestellte Artikel gelten. Oder die Industrie konnte die allergenhaltigen Stoffe durch besser verträgliche Substanzen ersetzen bzw. durch Zusätze neutralisieren. Das gilt unter anderem für Zement: Der Baustoff enthielt früher einen hohen Anteil an Chromat, das bei Maurern häufig Allergien auslöste. Inzwischen gibt es chromatarme Zementsorten. Kontaktekzeme bei Bauarbeitern wurden dadurch seltener.

Schutzmaßnahmen und Vorsorge konnten den Kontakt zu Allergie-Auslösern reduzieren. Paradebeispiel: das Friseurhandwerk. „Weil die Beschäftigten heute besser informiert sind und häufiger Handschuhe tragen, melden die Berufsgenossenschaften deutlich weniger berufsbedingte Kontaktallergien“, berichtet Brasch.

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