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Drei-Tage-Depression
Dem Freitod nahe   Zur Druckansicht

Hinter dem harmlosen Namen verbirgt sich eine ernste Erkrankung, die viele Betroffene in den Freitod treibt

Unbehandelte oder nicht rechtzeitig erkannte Depressionen machen Experten für einen großen Teil der rund 12000 Fälle von Selbsttötung verantwortlich, die in Deutschland Jahr für Jahr zu beklagen sind. Bei vielen schwer depressiv Erkrankten wechseln die Phasen abgrundtiefer innerer Leere mit beschwerdefreien Perioden ab. Sie leiden an einer »Drei-Tage-Depression«, medizinisch korrekt »rezidivierende kurze depressive Störung« (RKD) genannt. Diese Krankheit wird häufig übersehen, weil sie nicht nach dem klassischen Muster andauernder und darum auffälliger Niedergeschlagenheit verläuft.

Wiederkehrende Schübe: Depression im Monatsrhythmus
Etwa jeder fünfte davon betroffene Patient versucht mindestens einmal, sich das Leben zu nehmen. Dazu tragen gewiss auch die bei RKD deutlich erhöhten Scheidungs- und Arbeitslosigkeitsraten bei. Die Krankheit befällt meist junge Erwachsene – Männer gleichermaßen wie Frauen. Die depressiven Schübe kehren etwa im Monatsrhythmus wieder; sie dauern zwischen einem und 13 Tagen. Etwa 70 Prozent der Betroffenen bemühen sich um ärztliche Hilfe, schaffen den Weg in die Praxis aber oft nur, wenn es ihnen gerade gut geht. Allein auf Grund ihrer Schilderungen kann der Arzt allerdings meist keine sichere Diagnose stellen.

Stimmungstagebuch: hilft bei der Diagnose
Bei Verdacht auf RKD sollten Ärzte ihre Patienten für mindestens drei Monate ein Stimmungstagebuch führen lassen. Erst dann lässt sich die Depression zuverlässig von anderen, oft viel harmloseren psychischen Störungen abgrenzen – beispielsweise vom »prämenstruellen Syndrom«, das etwa ein Drittel der Frauen regelmäßig einige Tage zwischen zwei Monatsblutungen zu schaffen macht.

Medikamente: einen Versuch wert
Experten beklagen, dass zu wenig über die RKD geforscht wird. Noch gibt es keine medikamentöse Behandlung, die mit einiger Sicherheit bei allen Patienten anschlägt. Die wenigen Therapiestudien reichen nicht, um den Nutzen der untersuchten Arzneien sicher zu belegen. Mit einigen Medikamenten wie Mirtazapin, Roboxetin oder Fluoxetin geht es einem Teil der Patienten jedoch deutlich besser. Deshalb empfehlen Fachleute, eine Behandlung zumindest zu versuchen.

Psychotherapie: oft allein nicht ausreichend
Bislang verordnen Ärzte oft ausschließlich Psychotherapie. Bei vielen RKD-Patienten vermag das den Leidensdruck aber nicht hinreichend zu mildern. Sie greifen zu Alkohol oder anderen Drogen, um ihre Stimmungen auszugleichen. Angehörige und Freunde missdeuten diesen »Hilferuf« häufig. Sie stempeln die Kranken als Süchtige ab, verwechseln dabei aber Ursache und Wirkung. So geraten Betroffene noch stärker unter Druck.

Gesundheit/GesundheitPro.de

 

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