Schöne Erinnerungen an Schwimmbäder und Flitterwochen? Autsch – viele denken da eher an eine Blasenentzündung. Warum sie oft immer wieder kommt
Zahllose Frauen und Mädchen kennen das: Schöne Erlebnisse wie der Nachmittag im Freibad oder der verliebte Sonntag im Bett enden mit einem hartnäckigen Souvenir – einer schmerzhaften Harnwegsinfektion, die meistens ohne große Mengen Tee oder sogar einer Antibiotika-Behandlung nicht in den Griff zu kriegen ist. Besonders ärgerlich: Wer sie einmal hatte, kriegt sie trotz akribischer Vorbeugemaßnahmen oft immer wieder.
US-Forscher sind dem Phänomen der chronischen Harnwegsinfekte jetzt auf die Schliche gekommen. Ursache der Infektionen sind Darm-Bakterien (Escherischia coli), die sich von Zeit zu Zeit in der Blase „breitmachen“. In der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Science“ schildern die Wissenschaftler der Washington Universität in St. Louis, wie sie bei Mäusen Harnwegsinfekte verursachten, indem sie ihnen die Bakterien mit einer Spritze verabreichten. Als sie die Mäuse-Blasen später elektronenmikroskopisch untersuchten, spürten sie die bakteriellen Quälgeister in der Blasenwand auf, wo sie sich mit einer Schleimschicht umgeben und vermehrt hatten. Auf diese Weise waren sie sicher vor der Immunabwehr und hatten sogar Antibiotika-Behandlungen überstanden. Die Forscher gehen davon aus, dass die pathogenen Winzlinge dann jede abwehrschwache Situation in der Blase ausnutzen und ihr Versteck verlassen um erneut eine Infektion auszulösen.
Biofilm in der Blasenwand Ganze Haufen von Bakterien in den Zellen der Blasenwand waren untereinander durch Zellfortsätze vernetzt: Sie bildeten einen so genannten Biofilm, der von anderen Bakterien her zwar schon bekannt ist, aber sonst nur die Oberflächen von Geweben oder Materialien überzieht. Biofilme im Inneren von Zellen sind für die Wissenschaftler völlig neu. Sie vermuten, dass es sich dabei um einen prinzipiellen Überlebenstrick von Bakterien handelt, der auch bei anderen Krankheiten eine Rolle spielt.
Zukunftshoffnung: Biofilme raus aus dem Programm! Noch haben die Wissenschaftler den fiesen Bakterientrick in der menschlichen Blase nicht nachweisen können. Eine Fünf-Jahres-Studie mit 200 Frauen, die bereits begonnen worden ist, soll zeigen, ob chronische Harnwegsinfektionen tatsächlich durch die bei den Mäusen entdeckten Bakterienverstecke zu erklären sind. Wenn dem wirklich so ist, gibt es hier Ansatzpunkte für neue Therapien, die darauf beruhen die Bildung der Biofilme zu verhindern.
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