Seid nett zueinander! Mit einer positiven inneren Einstellung kommt mehr Leichtigkeit ins Leben
Unsere Expertin: PD Dr. Ann Elisabeth Auhagen ist Diplom-Psychologin und Autorin in Berlin. Sie schrieb unter anderem das Buch "Positive Kommunikation. Das Gute in sich entdecken und besser mit sich und anderen umgehen". Frau Dr. Auhagen, Sie wünschen sich "Positive Kommunikation". Was meinen Sie damit? Man fühlt, redet und handelt unter Berücksichtigung von Nächstenliebe und Selbstlosigkeit. Unter Nächstenliebe verstehe ich, dass man sich die Würde und den guten Kern eines jeden Menschen immer bewusst macht und danach handelt. Unter Selbstlosigkeit, dass man jemandem hilft oder eine Freude bereitet, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Wer Positive Kommunikation anwendet, versucht, das Gute in sich selbst zu spüren und an andere weiterzugeben. Was heißt das konkret? Wohlwollend durchs Leben gehen, also Harmonie verbreiten, großzügig sein. Die Positive Kommunikation schlägt vor, mal nach links und rechts zu schauen, ein Kompliment zu machen, kleine Freuden zu bereiten oder denjenigen zu trösten, der traurig ist. Wie kann ich in ärgerlichen Situationen, etwa in der Familie, reagieren? Das lässt sich am besten an einem Beispiel erklären: Zu Hause herrscht dicke Luft, der Partner schreit herum. Den Impuls, zurückzubrüllen, sollte ich unterdrücken und freundlich bleiben. Wer jetzt schreit, lässt sich das Verhalten des anderen aufdiktieren. Sich dem Ärger hinzugeben bedeutet auch, dass man sich selbst die Laune verdirbt. Wichtig ist, sich gegen den Frust zu entscheiden und der Situation einfach nicht so viel Bedeutung beizumessen. Heißt das nicht auch, nachzugeben, was bei Kindern ja fatal sein kann? Nein, überhaupt nicht. Positive Kommunikation bedeutet nicht, dass man keine Grenzen setzen kann. Es kommt nur darauf an, wie man sie zieht. Nämlich nicht drohend oder schimpfend, sondern freundlich bestimmt. Steht das Kind zum Beispiel beim Essen auf und rennt herum, erklärt man ihm, dass das die Atmosphäre stört. Dann muss man aber konsequent bleiben und darf nicht dulden, dass herumgelaufen wird. Was kann Positive Kommunikation im Familienleben verändern? Schon wenn ein Elternteil das Konzept anwendet, wird die Stimmung oft besser. Aber das passiert natürlich nicht von jetzt auf gleich. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Positive Kommunikation immer gut funktioniert, wenn sie wirklich von Herzen und mit dem Willen zum Guten kommt. Das Leben enthält dann mehr Freude, Leichtigkeit und Liebe. Das bestätigen auch Studien über mitmenschliche Güte. Welche Fallstricke gilt es zu überwinden? Dass man glaubt, schwach zu sein, wenn man die Positive Kommunikation anwendet. Das ist ein Irrglaube, weil Grenzen setzen ja völlig okay ist. Viele Menschen fühlen sich zunächst auch alleine mit der Strategie. Doch bald merken sie: "Wenn ich selbst entspannt und positiv bin, wirke ich deeskalierend. Ich brauche nicht die anderen als Mitstreiter." Kann Positive Kommunikation zum Glücklichsein beitragen? Ja, sie kann glücklich machen, weil sie Freude im Alltag bei einem selbst und bei anderen weckt und weil sie schwierige Situationen entschärft. Der liebevolle Umgang mit anderen Menschen reflektiert auf uns zurück. 01.10.08, Baby und Familie, Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Polka dot com
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