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Interview:
"Sport mit Gefühl"   Zur Druckansicht

Professor Wolfgang Schlicht untersucht in einer Studie, was Ältere an mehr Bewegung hindert

Herr Prof. Schlicht, Sie untersuchen, was 50- bis 60-Jährige am Sport hindert. Ist es fehlende Einsicht in den gesundheitlichen Wert von mehr Bewegung?
 
Das allein ist es nicht. Auch Erkenntnisse wie "Joggen senkt mein Herzinfarktrisiko um ein Drittel" reichen bei vielen nicht, um sich zum Sport zu motivieren. Wichtig sind weitere psychische und auch soziale Faktoren.
 
Was heißt das?
 
Die Gefühle, die ich von körperlicher Aktivität erwarte, haben einen großen Einfluss. Wie geht es mir beim Sport? Wie sehen mich andere, etwa Freunde und Partner? Auch der soziale Status scheint wichtig zu sein. Kurz gesagt: Wer gebildet ist, rafft sich eher auf – und lässt sich auch weniger von organisatorischen Barrieren abschrecken, etwa einem dürftigen
Sportangebot vor Ort.
Frühere Erfahrungen mit Sport dürften auch eine Rolle spielen.

Ja, aber nicht so, wie viele meinen. Es gibt Menschen, die in jungen Jahren Leistungssportler waren und im Alter Bewegungsmuffel sind. Die kritische Phase liegt so zwischen 30 und 40. Denn dann rücken für die meisten Karriere und Familie in den Mittelpunkt. Diese Zeit entscheidet oft über die körperliche Aktivität im Alter.
 
Warum erforschen Sie gerade die 50- bis 60-Jährigen?

Diese Generation ist noch mit einem traditionellen Sportbild groß geworden – das heißt leistungsorientiert. Dieses Verständnis taugt aber nicht fürs Alter, denn dann geht es eher darum, Sport als Gesundheitsförderung zu sehen. Derartige Vorstellungen können ein weiterer Hemmschuh sein.
 
Haben Sie eine Idee, wie sich solche Barrieren im Kopf abbauen lassen?

Es gibt simple Ratschläge wie den, Sport in der Gruppe zu machen. Aber mehr noch wünsche ich mir, dass wir eine bessere Infrastruktur bekommen – etwa Sportcoachs, die bei Städten und Gemeinden Beratungsarbeit leisten. Oder dass sich die Hausärzte stärker in Richtung Sportberatung fortbilden.
 
Die zugrunde liegende Studie heißt "Alter und Altern" der Landesstiftung Baden-Württemberg.
 
11.04.08, Senioren Ratgeber, Bildnachweis: PhotoDisc 

 

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