Professor Friedrich Bootz, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde/Chirurgie der Universität Bonn und wissenschaftlicher Beirat der Apotheken Umschau, erklärt, was die nervige Entzündungsreaktion auslöst und wie Sie sie lindern
Professor Bootz, erst kratzt es, dann klingt die Stimme belegt, und schon fangen die Schmerzen an. Was passiert da im Hals? Halsschmerzen sind Ausdruck einer Entzündungsreaktion im Hals- und Rachenraum. Die Schleimhaut ist gereizt, rötet sich und schwillt an. Dadurch entsteht Druck auf die feinen Nervenenden in der Schleimhaut, die diese Information über die Nervenbahnen an das Gehirn weitergeben. Auf diese Weise nehmen wir eine Entzündung als schmerzhaft wahr. Je nachdem, welche Stellen betroffen sind, unterscheidet man zwischen einer Rachenschleimhaut-, Stimmband- oder Kehlkopfentzündung. Sind die Stimmbänder angeschlagen, führt das zu Heiserkeit. In schweren Fällen sind auch die Gaumenmandeln in Mitleidenschaft gezogen. Grundsätzlich ist die Entzündung ein Zeichen für eine natürliche Abwehrreaktion des Körpers.
Wogegen wehrt sich der Körper? In der Regel sind es Viren, die die Schleimhäute des Hals- und Rachenraums attackieren und eine Entzündung herbeiführen. Doch auch Bakterien oder reizende Umweltsubstanzen greifen die Schleimhäute an. Ebenso kann eine Überbeanspruchung der Stimmbänder eine Entzündung auslösen. Manchmal sind feine Gräten, winzige Knochenstücke oder sonstige Fremdkörper schuld, die im Hals stecken bleiben. Sie rufen besonders starkes Halsweh hervor. Wie reagiert man am besten auf die Schmerzen im Hals? Zunächst einmal mit Schonung und Wärmeanwendung. Oft reicht es, einen Schal zu tragen oder einen warmen Wickel aufzulegen, und schon gehen die Symptome spürbar zurück. Wichtig ist, genug zu trinken, etwa Salbei- oder andere Kräutertees. Salbei wirkt besonders schleimhautpflegend und lindert die Entzündungssymptome. Außerdem hält Trinken die Schleimhäute feucht und macht sie widerstandsfähiger. Bei Fieber kommt es durch die erhöhte Körpertemperatur oft zu Flüssigkeitsverlust. Auch dagegen hilft Trinken. Gurgeln mit Salzwasser oder Kräuterauszügen wirkt wohltuend und abschwellend auf die Schleimhäute. Allerdings nützt Gurgeln bei einer Kehlkopfentzündung nichts, da man damit nicht die tieferen Halsabschnitte erreicht. Ist der Kehlkopf betroffen, empfehlen sich Inhalationen, etwa mit ätherischen Ölen.
Was hilft bei starken Beschwerden? Bei starken Schmerzen, besonders wenn diese von leichtem Fieber begleitet sind, wirken antientzündliche Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Flurbiprofen oder Paracetamol hervorragend. In der Regel sollten die Halsschmerzen auf diese Weise nach ein bis zwei Tagen gemildert und nach einer Woche ganz abgeklungen sein.
Wenn dies aber nicht gelingt und die Schmerzen schlimmer werden? Manchmal nehmen Halsschmerzen einen kritischen Verlauf. Fieber ist ein Alarmsymptom und oft Zeichen eines sich anbahnenden grippalen Infekts. Bisweilen schwellen auch die Lymphknoten an, und das Schlucken sowie an dere Beschwerden werden stärker. Mitunter kommt es gar zu Atemnot.
Was steckt dahinter? Die Ursache könnte eine schwerwiegende bakterielle Mandelentzündung sein, zum Beispiel eine Streptokokken-Angina. Streptokokken sind besonders gefährlich, da sie über das Blut in den gesamten Organismus verstreut werden können und dann möglicherweise an Gelenken, Herz und Nieren schwere Schäden verursachen. Ebenso kann eine „Superinfektion“ vorliegen: Auf den durch Viren geschwächten Schleimhäuten siedeln sich krank machende Bakterien an. Die Halsinfektion weitet sich dann häufig auf die tieferen Atemwege aus, wo die Gefahr einer Lungenentzündung droht. Dann sind Antibiotika angezeigt, die nicht gegen Viren, aber gegen Bakterien wirken. In all diesen Fällen ist unbedingt ein Arzt einzuschalten. 04.03.2008, Apotheken Umschau, Bildnachweis: PhotoDisc
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