Aktuelle Gesundheitstipps
Hausapotheke:
Öfter mal kontrollieren   Zur Druckansicht

Die Grundausstattung zum Beheben kleiner Blessuren und Unpässlichkeiten verdient mehr Aufmerksamkeit

„Weniger ist oft mehr“, sagt Dr. Jürgen Richter, Apotheker in Mannheim. Im Notfall muss es rasch gehen. Dann aber, so die Erfahrung Richters, „fangen viele daheim an, in ihren unübersichtlichen Kisten oder Plastiktüten herumzuwühlen, die voll mit alten, nicht rechtzeitig aussortierten Medikamenten sind – und können das notwendige Wundspray oder Pflaster nicht finden“.

Dass Patienten Tabletten lose und ohne Beipackzettel sowie halbleere Salbentuben unbestimmbaren Inhalts in Tüten oder Kartons aufbewahren, erlebt Apothekerin Kathrin Claus aus Tannenbergstal im Vogtland recht häufig. „Wir liefern unseren Kunden die Medikamente auch ins Haus. Oft zeigen sie uns dann Mittel aus ihrer Hausapotheke, von denen sie nicht mehr wissen, wofür sie einmal gut waren.“

Nicht nur aus diesem Grund empfehlen beide Experten: Mindestens einmal im Jahr sollte jeder seine Hausapotheke überprüfen oder das Fachpersonal in der nächsten Apotheke bitten, einen Blick darauf zu werfen. Doch nur knapp die Hälfte aller Bundesbürger führt diese jährliche Kontrolle durch, ergab eine repräsentative Umfrage der GfK bei 1981 Personen im Auftrag der Apotheken Umschau.

Immerhin besitzen 78 Prozent der Befragten eine Hausapotheke. Jeder Zweite gibt jedoch zu, sie mit Arzneimitteln zu bestücken, die sich mit der Zeit angesammelt haben. Und 51 Prozent der Hausapothekenbesitzer bewahren ihre Medikamente im Badezimmer auf. „Kein guter Ort“, betont Apothekerin Hannelore Cebulla aus Berlin. „Denn Arzneimittel vertragen die feuchte und warme Luft dort nicht.“

Der richtige Ort für Medikamente
Wo und wie Sie Ihre Arzneimittel am besten aufbewahren:

Im trockenen, kühlen Schlafzimmer oder im Flur lassen sich Präparate in einer kleinen Kiste oder einem Schränkchen passender lagern. Dort sollten sie sicher weggeschlossen sein vor Kindern sowie vor älteren Menschen, die unter Demenz leiden. Bewährt hat es sich, in die Tür oder auf den Innendeckel des Kästchens die wichtigsten Rufnummern für den Notfall zu schreiben, beispielsweise die des Not- und Hausarztes, des Krankenhauses und des Apothekennotdienstes.

Verwechslungen verhindern
„Bewahren Sie Arzneimittel stets in der Originalverpackung und mit Beipackzettel auf“, rät Apotheker Dr. Jürgen Richter. So lassen sich Verwechslungen vermeiden. Wichtig findet er, auf jedem Präparat zu vermerken, gegen welche Beschwerden die Arznei helfen soll. Bei mehreren Familienmitgliedern notieren Sie am besten den Namen des Benutzers und das Datum des Behandlungsbeginns auf der Packung. Dann erkennt jeder sofort, ob er im Notfall nach dem richtigen Medikament greift. Solche Vorsichtsmaßnahmen wendet laut Umfrage der GfK allerdings nur jeder Fünfte an.

Auf die Haltbarkeit achten
Eine ausführliche Beratung über die Haltbarkeit der Präparate findet Apotheker Richter ebenso nützlich. „Denn die wenigsten Kunden wissen, dass flüssige Arzneimittel nach Anbruch nicht mehr so lange haltbar sind wie auf der Packung vermerkt.“

Einmal geöffnete Augentropfen etwa sollten Sie nach sechs Wochen nicht mehr benutzen, weil die Flüssigkeit mit der Zeit verkeimt. „Dann würde man sich in das gereizte Auge noch Keime träufeln“, erklärt Richter. Seine Empfehlung: den Medizinschrank mit praktischen Einmaldosis-Behältnissen für Augentropfen bestücken. Für Nasentropfen und -sprays gilt: nach Ende der Therapie sofort entsorgen. Jeder sollte ein eigenes Spray besitzen. Sonst kann man sich bei späterem Gebrauch erneut mit fremden Keimen anstecken.

Die Bundesbürger sind da eher sorglos: 41 Prozent gaben an, Arzneimittel wie Tinkturen oder Salben auch über das Haltbarkeitsdatum hinaus zu verwenden.

Kühl zu lagernde Mittel wie Insulin oder Impfstoffe gehören nicht in die Hausapotheke, sondern in den Kühlschrank. Tiermedikamente und Haushaltsreiniger brauchen einen separaten Aufbewahrungsort. Verwechslungen könnten lebensgefährliche Folgen haben.

Individuelle Ausstattung
Was eine Hausapotheke enthalten sollte:

Wichtig ist zunächst eine Grundausstattung aus Verbandmaterial, sterilen Kompressen, Heftpflaster und Brandwundenverbandpäckchen für kleinere Blessuren. Ein bis zwei elastische Binden helfen bei Verstauchungen. Eine Verbandschere und Sicherheitsnadeln sind nützlich. Pinzette, Fieberthermometer, Einmalhandschuhe und eine feine Pinzette zum Entfernen von Zecken gehören ebenso dazu. Kühlkompressen lindern Insektenstiche und Verstauchungen.

Der weitere Inhalt richtet sich auch danach, welche Personen im Haushalt leben. Generell sollten Medikamente gegen Schmerzen und Fieber vorrätig sein. Mit wichtigen Erkältungsmitteln gegen Husten, Schnupfen und Halsschmerzen können Sie sich manchen Gang zum Arzt ersparen. Nützlich ist eine Tinktur zum Gurgeln. Tees gegen Erkältung sowie Nieren- und Blasentees erweisen sich meist als brauchbar.

Wer zu Nervosität neigt, kann sich ein mildes Beruhigungsmittel auf Baldrianbasis besorgen.

Bei gelegentlichen Verdauungsbeschwerden legen Sie sich einen Vorrat an Arzneien gegen Sodbrennen, Verstopfung und Durchfall zu.

Wer eher auf Naturheilmittel schwört, kann sich auch zu diesem Thema in der Apotheke informieren. Apothekerin Hannelore Cebulla rät beispielsweise zu Calendula-Essenzen als Heilsalbe. Arnika hat sich bewährt bei Prellungen, Zerrungen, Muskelkater und Blutergüssen.

Alle drei Fachleute betonen, dass es bei einer Hausapotheke immer auch auf den individuellen Nutzer ankommt: Ein Sportler braucht häufiger eine Salbe gegen Zerrungen. Sackt der Kreislauf hin und wieder ab, kann ein Herz-Kreislauf-Mittel mit dazugepackt werden, und Rückenprobleme behebt vielleicht das Einreiben mit einem Schmerzöl.

„Jeder hat seine Schwachstellen und sollte sich entsprechend bevorraten“, schlägt Hannelore Cebulla deshalb vor.

Apotheken Umschau / Bildnachweis: PhotoDisc

 

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