„Ein guter Koch ist auch ein guter Arzt“, behauptet ein Sprichwort. Zu Recht, denn es liegt an ihm, ob das Essen schmackhaft, nährstoffreich und auch bekömmlich ist. Raffiniertes Würzen und geschicktes Kombinieren ist dabei das A und O
Die Rezepte aus Omas Kochbuch werden heute manchmal zu Unrecht als ungesund verteufelt. In kargen Zeiten haben es unsere Altvorderen gut verstanden, aus wenigen Zutaten ein bekömmliches Essen zu zaubern. Gewürze spielten dabei eine wichtige Rolle. Etwas Kümmel am Weißkohl oder der Zimt im Gebäck haben nicht nur Tradition, sie sind auch heimliche Helfer für Magen und Darm. Auch das geschickte Kombinieren von Speisen beugt manchem Verdauungsproblem vor und macht wertvolle Inhaltsstoffe besser verwertbar.
Klassische Beispiele
Schnitzel mit Zitrone Zitronensaft macht das Schnitzel nicht nur bekömmlicher. Der Saft liefert auch Vitamin C und Zitronensäure. Beide Stoffe machen das lebenswichtige Spurenelement Eisen (aus dem Fleisch) besser verwertbar, weil sie es chemisch verändern.
Sauerkraut mit Kümmel Der vergorene Weißkohl gehört zu den Speisen, die besonders häufig schlecht vertragen werden. Etwas Kümmel im Kraut wirkt krampflösend und macht blähende Gerichte bekömmlicher. Weil das Gewürz gleichzeitig gallentreibend wirkt, passt es hervorragend zu den fettreichen Speisen, die traditionell zusammen mit dem Sauerkraut auf den Tisch kommen, wie zum Beispiel Schweinebraten oder Würstchen und Bratkartoffeln.
Möhren mit Butter Möhren sind reich an fettlöslichem Carotinoiden, einer Vorstufe von Vitamin A. Der Organismus stellt daraus nach Bedarf Vitamin A her. Damit der Körper den fettlöslichen Stoff optimal nutzen kann, sollten Sie Möhren immer mit etwas Butter oder Öl garen. Das gilt auch für andere Gemüsesorten, die reich an Carotinoiden sind wie Tomaten, Brokkoli, Spinat oder Paprikaschoten.
Rotkohl mit Nelken Rotkohl ist vom winterlichen Speisezettel nicht wegzudenken und oft schwer verdaulich. Gewürznelken verbessern die Bekömmlichkeit. Sie enthalten besonders viel ätherisches Öl, das alle Verdauungsfunktionen fördert.
Huhn mit Curry Das süßlich-scharfe Pulver ist kein Einzelgewürz, sondern eine raffinierte Mischung aus bis zu 20 verschiedenen Spezereien. Typische Zutaten sind Pfeffer, Chili, Koriander und vor allem Kurkuma (Gelbwurz), das dem Curry die gelbe Farbe gibt. Curry lockt die Verdauungssäfte und macht so Geflügelgerichte leichter verdaulich. Wenn Sie frische Früchte (Ananas, Orange, Mandarine) kurz mitgaren, können Sie diesen Effekt sogar verstärken.
Kaffee mit Milch Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass das Milcheiweiß spezielle Säuren im Kaffee, vor allem Chlorogensäure, abpuffert. Das hat zwei Effekte: Der Körper produziert weniger Magensäure, und er nimmt das Koffein langsamer auf. Der Kaffee wird bekömmlicher, die anregende Wirkung hält länger an.
Ente mit Beifuß Beifuß auf dem Gänsebraten oder der Weihnachtsente ist eine sinnvolle Tradition. Seine ätherischen Öle und Bitterstoffe fördern die Magensaftsekretion und erleichtern die Verdauung fettreicher Speisen. Aus diesem Grund passt Beifuß prima zu allen deftigen Fleisch-, Fisch- und Geflügelgerichten.
Milchreis mit Zimt Zimt fördert die Magensaftabsonderung, wirkt appetitanregend und blähungstreibend. Hauptwirkstoffe sind Zimtaldehyd und Eugenol, die vor allem in der inneren Zimtrinde stecken. Damit sie sich entfalten können, sollten Sie die Stangen mit der Milch aufkochen und vor dem Servieren herausnehmen.
Verdauungshelfer aus der Apotheke: Viele Heilpflanzen sind Gewürze. Die Pflanzenwirkstoffe stecken auch in manchen Medikamenten, aber in höherer Dosierung. Arzneimittel gegen Magen-Darm-Beschwerden : Völlegefühl Fertigpräparate mit Auszügen aus Artischocke, Löwenzahn oder Mariendistel steigern die Drüsentätigkeit des Magen-Darm-Traktes. Kurkuma (steckt u.a. im Currypulver,) kurbelt die Gallenproduktion an. Nahrungsfette werden dadurch leichter verdaut. Auch Enzian, Bitterklee oder Schleifenblume enthalten Wirkstoffe, die die Verdauung aktivieren. Fragen Sie Ihren Apotheker nach einem Präparat.
Magendruck: Zu den Klassikern gegen Bauchweh zählt Kamille. Krampflösend und magenberuhigend bei unspezifischen Beschwerden wirken auch Pfefferminze, Fenchel, Angelika und Anis.
Verstopfung: Quellmittel (Weizenkleie, Lein-, Flohsamen), lösliche Ballaststoffe, Macrogol sowie Darmregulanzien, zu denen unverdauliche Zucker und Pektin zählen, aktivieren über verschiedene Wirkmechanismen die Darmtätigkeit. Zäpfchen und Miniklistiere mit Glycerin, Sorbit oder Stoffen, die Kohlendioxid bilden, lösen im Enddarm Entleerungsreflexe aus. Dem akuten Fall sollten Bisacodyl und Natriumpicosulfat sowie Wirkstoffe aus Sennes, Rhabarber, Aloe und Faulbaum vorbehalten sein. Blähungen: Fertigpräparate und Teemischungen zum Beispiel aus Pfefferminze, Anis, Fenchel und Kümmel helfen, unangnehmen Blähungen vorzubeugen. Die synthetischen Wirkstoffe Simeticon und Dimeticon wirken als Entschäumer im Darm. Die Luft kann leichter abgehen. Kombinationspräparate enthalten neben Entschäumern Verdauungsenzyme mit Fett, Eiweiß und Kohlenhydrat spaltenden Eigenschaften.
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