Um Läuse loszuwerden, müssen Eltern ihre Kinder konsequent behandeln und das Umfeld informieren
„Läuseopfer müssen zusammenhalten“, fordert Dr. Michael Forßbohm, Leiter der Abteilung für Infektionsschutz beim Gesundheitsamt Wiesbaden. „Denn Scham und Tabuisierung begünstigen den Befall.“ Der Fachmann rät zur Offensive. Wer im Haar seines Nachwuchses Läuse entdeckt, muss nicht nur umgehend den Kindergarten oder die Schule informieren. Eine Nachfrage bei den engsten Spielkameraden, gegebenenfalls im Turnverein oder Kinderchor gehöre ebenfalls zum Standardprogramm der Parasitenabwehr.
Der Alltag sieht anders aus: In manchen Gegenden werden befallene Kinder schief angeschaut und unnötig vom Kindergarten oder Unterricht aus geschlossen, weiß Forßbohm. „Das sind Fehler, die auf mangelnder Aufklärung beruhen“, erklärt er. „Aber es ist kein Wunder, dass Eltern angesichts drohender Ausgrenzung Läuse erst einmal verschweigen.“
Die Leidtragenden sind die Kinder. „Sie müssen wochenlang regelmäßige Entlausungen über sich ergehen lassen, weil sie sich die Insekten immer wieder einfangen“, berichtet Forßbohm. „Erst wenn die Situation unerträglich wird, sprechen Mütter andere an und stellen fest, dass viele Familien mit dem Problem kämpfen.“ Dabei lässt sich die Plage innerhalb kürzester Zeit eindämmen, wenn alle beteiligten Stellen zusammenarbeiten.
Bei Kratzen auf zur Parasitenjagd
Auf die Bekanntschaft mit den Kopfbewohnern sollten Eltern jederzeit gefasst sein. Entgegen landläufiger Meinung breiten sich Läuse nicht nur im Herbst und Winter aus. Sie haben das ganze Jahr über Saison, denn sie leben im gleichmäßig warmen Klima dicht an der Kopfhaut. Von dort wandern sie von Haar zu Haar, wann immer Menschen die Köpfe zusammenstecken – etwa beim Spielen. Die indirekte Übertragung über gemeinsam benutzte Gegenstände ist die Ausnahme.
Im Lauf eines Jahres haben schätzungsweise fünf bis zehn Prozent der Mädchen Läuse. Der kurzen Haare wegen sind Jungen nur halb so oft betroffen. Die Insekten verhaken sich mit Klammerarmen im Haar. Kämmen, Duschen und selbst gründlichstes Haarewaschen beseitigen sie nicht. Läuse sind keine Frage der Hygiene. Auch vorbeugen kann man nicht.
Den Eltern bleibt nur die regelmäßige Kontrolle. „Wer Kinder mit langer Mähne hat, sollte einmal die Woche nach Läusen fahnden“, rät Forßbohm. Spätestens wenn sich die Kleinen am Kopf kratzen, ist es Zeit für die Parasitenpirsch. Dazu sollten Eltern die Haare mit einem Kamm scheiteln und streifenweise in Kopfhautnähe absuchen. Besonders gründliche Begutachtung benötigen die Randzonen an Nacken, Ohren und Schläfen. Läuse sind am leichtesten mit einer Lupe aufzuspüren. Verschwinden sie zu flink, können Einstichstellen – rote Punkte auf der Kopfhaut – von ihrer Anwesenheit zeugen. Einen zuverlässigen Hinweis liefern außerdem ihre Eihüllen, die Nissen. Sie werden von den Weibchen direkt an die Haare gelegt und lassen sich im Gegensatz zu Schuppen nicht ablösen. Sie wachsen mit den Haaren heraus. Nisten die Läuse länger auf dem Kopf, reiht sich Nisse an Nisse, wie bei einer Perlenschnur.
Gleich wieder Schule
Hat sich ein Verdacht bestätigt, sind die Eltern gefordert, ihre Kinder sofort mit einem zugelassenen Läusemittel zu behandeln – wenn möglich noch am selben Tag. Besucht der Nachwuchs eine öffentliche Einrichtung, besteht die gesetzliche Pflicht, den Vorfall dort zu melden. „Das heißt nicht, dass die Kinder tagelang zu Hause bleiben müssen“, stellt Forßbohm klar. Ausgeschlossen bleibt nur, wer noch nicht behandelt ist.
Die anderen können am Tag nach der ersten Anwendung in die Gruppe zurück. „Um die Kur nachzuweisen, ist kein Arzt-Attest nötig“, betont der Amtsarzt. Erst wenn die Parasiten innerhalb von vier Wochen wiederkehren, ist eine medizinische Begutachtung fällig.
Läusemittel gibt es in der Apotheke. Als Arzneimittel zugelassen sind Präparate mit Pyrethrum, Permethrin und Allethrin. „Das verschreibungspflichtige Lindan wird in absehbarer Zeit von der Entwesungsliste (umfasst Mittel, die für behördlich angeordnete Entlausungen zugelassen sind) genommen“, erläutert Dr. Jutta Klasen, die am Umweltbundesamt in Berlin für die Überprüfung der Wirksamkeit zuständig ist. „Erstmals steht auf dieser Liste ein Medizinprodukt mit Kokos- und Sojaöl“, berichtet sie.
Die Mittel müssen nach Packungsanweisung auf die Haare aufgebracht werden. „Brennen auf der Kopfhaut ist möglich, aber harmlos“, sagt Forßbohm. Tote Läuse und Nissen lassen sich mit einem speziellen Nissenkamm entfernen. Allerdings ist es mit einer Behandlung nicht getan: Die Larven in den Eiern überstehen das Insektizid. Erst eine zweite Kur nach acht bis zehn Tagen stellt sicher, dass die letzten, dann geschlüpften Tiere vernichtet werden.
„Selbst wenn auf der Packung stehen sollte, dass eine Anwendung genügt“, betont Klasen, „muss das Präparat zweimal benutzt werden. Bei dem Mittel mit Kokosöl sind sogar drei Behandlungen nötig.“ Zwischenzeitlich geborene Läuse werden nicht weitergeschleppt. „Jungtiere sind so unbeweglich, dass sie den Kopf nicht verlassen können“, weiß Forßbohm.
Dennoch sollte die Wirkung geprüft werden. In einigen Ländern sind Resistenzen bekannt. „Ob das in Deutschland auch so ist, wissen wir nicht“, erklärt Klasen. „Es gibt keine Studien.“ Sollte ein Mittel tatsächlich versagen, rät sie, auf einen anderen Wirkstoff auszuweichen. „Aber das Wichtigste ist die konsequente Doppelbehandlung“, betont sie. Jede halbherzige Entlausung kann Resistenzen fördern, weil an das Insektizid angepasste Tiere überleben. Problematisch wird es, wenn die Mini-Vampire immer wieder zwischen Kindern zirkulieren. Um das zu verhindern, sollten Eltern überlegen, wer noch von dem Lausbefall wissen muss: die Großeltern, sofern sie regelmäßig vorbeikommen, Freunde, die Geschwister und Eltern. Sie alle sollten sich vorsorglich den Kopf untersuchen lassen.
Findet sich kein Krabbler, ist normalerweise keine Behandlung notwendig. „Bei besonders engem Kontakt“, empfiehlt Forßbohm, „würde ich auch jemanden behandeln, bei dem keine Läuse nachweisbar sind. Zum Beispiel, wenn Geschwister dasselbe Zimmer benutzen und öfter im selben Bett herumtollen.“
Vorsorglich reinigen
Zum Laus-Programm gehört es außerdem, Gegenstände, die häufig in Kopfnähe sind, vorsorglich zu reinigen. Mützen, Schals, Kissenbezüge und Kuscheltiere sollten bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Kämme und Bürsten lassen sich meist auskochen. Was nicht erhitzt werden kann, gehört für zwei Wochen in einen verschlossenen Plastiksack oder wandert für einen Tag in das Gefrierfach.
Diese Prozeduren enthalten einen großzügigen Sicherheitspuffer. Kopfläuse sind auf den Menschen als Wirt angewiesen. „Sie existieren nicht auf Haustieren“, erklärt Forßbohm, „und sind abseits des Kopfes nach 55 Stunden ohne Blutmahlzeit tot.“
Keine Panik, wenn es juckt
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt ein Faltblatt mit dem Titel „Kopfläuse – was tun?“ zur Verfügung, das die wichtigsten Informationen enthält:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 51101 Köln oder Fax: 02 21/8 99 22 57 E-Mail: order@bzga.de
Das Gesundheitsamt in Wiesbaden beantwortet konkrete Fragen per E-Mail: infektionsschutz@wiesbaden.de
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