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Inkontinenz:
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Mit unterschiedlichen Therapien lässt sich eine Blasenschwäche meist in den Griff bekommen. In der Übergangszeit helfen spezielle Hygieneprodukte

Betroffene sind mit ihrem Leiden nicht allein: Jede fünfte Teilnehmerin an einer repräsentativen Studie der Women’s Health Coalition – befragt wurden 2004 Bundesbürgerinnen zwischen 25 und 75 Jahren – gab an, gelegentlich an Blasenschwäche zu leiden. Doch aus Scham oder weil sie glaubt, es gebe sowieso keine Behandlungsmöglichkeiten, geht nur jede zweite Frau zum Arzt, wenn sich erste Anzeichen einer Inkontinenz zeigen. Dabei gibt es durchaus wirkungsvolle Therapien und erstattungsfähige Hygieneprodukte, die der Blasenschwäche ihren Schrecken nehmen.

Ursachen abklären lassen

Harninkontinenz nennt man die fehlende oder mangelnde Fähigkeit, den Blaseninhalt sicher zu speichern und selbst zu bestimmen, wann die Blase entleert werden soll. Es gibt unterschiedliche Formen des Leidens. Welche vorliegt und was die Ursachen dafür sind, sollte von einem Facharzt abgeklärt werden. Die beiden häufigsten Formen von Blasenschwäche sind die Belastungsinkontinenz und die Dranginkontinenz.

Bei einer Belastungsinkontinenz kann beim Heben, Tragen, Husten, Niesen oder Lachen sowie beim Sport unkontrolliert Urin abgehen, weil der Schließmechanismus der Blase beeinträchtigt ist. Häufige Ursache ist eine schwache oder geschädigte Beckenbodenmuskulatur, zum Beispiel durch eine Schwangerschaft oder die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren. Von dieser Form der Inkontinenz sind vor allem Frauen betroffen. Bei Männern kann ein operativer Eingriff an der Prostata dazu führen.

Wer dagegen einen überfallartigen Harndrang verspürt, bei dem größere Mengen an Urin schwallartig abgehen, leidet an einer Dranginkontinenz. Ursachen einer überaktiven Blase können eine Instabilität des Blasenmuskels oder eine Blasenentzündung sein.

Gymnastik für den Beckenboden

„Bei einer leichten Belastungsinkontinenz kann bereits eine Stärkung des Beckenbodens durch eine spezielle Gymnastik helfen“, sagt Professorin Daniela Schultz-Lampel vom Kontinenzzentrum Südwest am Schwarzwald-Baar Klinikum in Villingen-Schwenningen. Kurse bieten Volkshochschulen, Gesundheitszentren, Arztpraxen und Fitnessstudios an.

Dabei werden die Muskeln des Beckenbodens mit speziellen Übungen so trainiert, dass sie der Blase und der Harnröhre zusätzlichen Halt geben und sie in ihrer Schließfunktion unterstützen. Voraussetzung für den Erfolg ist die Mitarbeit der Patientin, die die Übungen täglich durchführen muss. In manchen Fällen kann die Harnröhre auch durch ein Pessar gestützt werden, das in die Vagina eingeführt wird.

Wenn solche konservativen Therapieformen nicht mehr helfen, können spezielle Medikamente und auch Operationen die richtigen Behandlungsmaßnahmen sein.

Wirksame Behandlungsmaßnahmen

Operationen für schwerere Fälle

Leider helfen konservative Therapieformen wie Gymnastik oder Pessare nicht in jedem Fall. Ist die Blasenschwäche sehr ausgeprägt, kann sich eine betroffene Frau operieren lassen. Dabei können die Ärzte bei einem minimalinvasiven Eingriff unter örtlicher Betäubung zum Beispiel ein sogenanntes TVT-Band einsetzen (englisch: Tension-free Vaginal Tape, spannungsfreies Vaginalband). Dieses fixiert die Harnröhre, weil im Laufe der Zeit Bindegewebszellen in das Kunststoffmaterial einwandern und es verfestigen.

Arzneimittel bei Belastungsinkontinenz

Seit zwei Jahren gibt es auch ein Medikament, mit dem Ärzte mittelschwere bis schwere Belastungsinkontinenz bei Frauen behandeln können. Der verschreibungspflichtige Wirkstoff Duloxetin unterstützt die Schließfunktion von Blase und Harnröhre und kann die Häufigkeit des ungewollten Harnverlusts verringern.

Die nervöse Blase beruhigen

Auch bei einer nervösen, überaktiven Blase können Ärzte Medikamente verordnen. Sogenannte anticholinerge Substanzen wie Trospiumchlorid, Oxybutynin, Tolterodin, Propiverin, Solifenacin und Darifenacin verhindern ein vorzeitiges Zusammenziehen der Blasenmuskulatur.

Pflanzenkraft

In einigen Fällen lassen sich die Beschwerden bereits mit der Einnahme pflanzlicher Präparate aus der Apotheke in den Griff bekommen. Fragen Sie Ihren Arzt.

Bei Frauen mit Dranginkontinenz können pflanzliche Präparate mit Goldrute, Gewürzsumach und Ackerquecke lindernd wirken.

Männern, die wegen einer gutartigen Prostatavergrößerung Probleme mit der Harnblase haben, können Präparate mit Kürbissamen, Brennnesselwurzel und Extrakten der Sägezahnpalme helfen.

Meistens dauert es mehrere Wochen, bis die genannten Therapien die Symptome einer Harninkontinenz mindern. In dieser Zeit können Hygiene-Hilfsmittel aus der Apotheke das Wohlbefinden und die Lebensqualität verbessern.

Sinnvolle Hilfsmittel einsetzen

Hygiene-Hilfsmittel helfen über die Zeit hinweg, bis die Medikamente oder andere Therapiemaßnahmen wirken. „Sie halten die empfindliche Haut im Intimbereich trocken und verhindern so Entzündungen, Reizungen, wunde Stellen und unangenehme Gerüche“, sagt Professorin Daniela Schultz-Lampel.

Noch immer herrscht bei diesem Thema jedoch Aufklärungsbedarf. Denn obwohl Inkontinenz-Artikel weder teuer noch kompliziert in der Anwendung sind, behelfen sich viele Betroffene erst einmal mit Damenbinden, Papiertaschentüchern oder Toilettenpapier.

„Solcher Ersatz ist völlig ungeeignet“, meint Apothekerin Birgitta Seemüller aus Schliersee. Denn der abgehende Harn wird nur unzureichend aufgesaugt, weshalb die Betroffenen oft unangenehm nach Urin riechen.

Gegen Gerüche und Feuchtigkeit

Wie unterscheiden sich Inkontinenz-Produkte von herkömmlichen Monatsbinden? „Als wichtigste Eigenschaft besitzen sie einen Superabsorber“, erklärt die Apothekerin. „Dieser bildet ein Gel, wenn er mit wässrigen Flüssigkeiten in Kontakt kommt, und kann so ein Vielfaches seines Eigengewichts an Flüssigkeit aufnehmen und speichern. Selbst unter Druck gelangt keine Feuchtigkeit mehr nach außen.“ Im Wesentlichen unterteilt man Inkontinenz-Artikel in Vorlagen und Spezialhosen.

Vorlagen gibt es für leichte bis schwere Formen der Blasenschwäche. Sie sind anatomisch geformt, tragen dadurch weniger auf und werden meist mit einer Netzhose fixiert. „Wer eine herkömmliche Unterhose trägt, sollte darauf achten, dass diese ausreichend groß und eng geschnitten ist“, rät Seemüller. Vor Gebrauch sollte man die Vorlage der Länge nach ausstreichen und falten, sodass sich eine Art Rinne bildet. Auch häufiges Wechseln ist wichtig. Wer also einen längeren Stadtbummel macht, sollte stets einen Ersatz dabeihaben. Das Einsetzen erfolgt bei aktiven Menschen idealerweise im Stehen, bei Bettlägerigen in Seitenlage.

Für Männer mit leichter Inkontinenz bieten sich Penis-Futterale an. Kondom-Urinale eignen sich auch bei stärkeren Beschwerden. Sie haben einen Abfluss, der an einen Beutel angeschlossen wird. Darüber hinaus gibt es spezielle Spannbezüge für die Matratze, wenn etwa nachts oder beim Sex unkontrolliert Urin abgeht.

Und was bezahlt die Krankenkasse? „Die Zuzahlung ist in der Regel auf zehn Euro pro Monat beschränkt“, weiß Seemüller. Wichtig sei es aber, sich vor dem Kauf bei der Kasse nach einer Kostenübernahme zu erkundigen, da manche Produkte nicht bezahlt werden. Auf jeden Fall muss der Arzt eine Verordnung ausgestellt haben.

Produktmuster zum Ausprobieren

Sich trotz schwacher Blase sicher fühlen – eine kompetente Beratung in der Apotheke trägt entscheidend dazu bei. „Die meisten Apotheken haben dafür eine extra eingerichtete Beratungsecke“, sagt Seemüller. „Weiß der Kunde oder die Kundin nicht Bescheid, welches Hilfsmittel das richtige ist, gebe ich ein kostenloses Produktmuster mit, das zu Hause unverbindlich getestet werden kann.“

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