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Gedächtnis (3):
„Einen freien Willen zu haben ist eine Illusion“   Zur Druckansicht

Hirnforscher Professor Gerhard Roth im Gespräch mit der Apotheken Umschau über den freien Willen

? Herr Roth, Sie vertreten die These, dass der Mensch in Wirklichkeit nicht über einen freien Willen verfügt. Was meinen Sie damit?

Unter Willensfreiheit wird üblicherweise eine Instanz verstanden, die rein geistig und unabhängig vom Gehirn unser Handeln bestimmt. Dem widerspreche ich. Das, was wir als „reine“ Willensfreiheit empfinden, beruht auf einer Illusion.

? Wie begründen Sie das?

Hirnforscher gehen davon aus, dass unsere Handlungen vom Gehirn gesteuert werden. Das gilt dem nach auch für das, was wir als Akt des freien Willens bezeichnen. Hirnprozesse sind es also, die eine Handlung einleiten, zum Beispiel den Kauf einer Ware. Der Mensch meint dabei, er hätte frei entschieden. Das stimmt aber nicht.

? Aber man spürt doch, etwas aus freiem Willen heraus getan zu haben!

Was man spürt, ist die Tatsache, nach seinem Willen zu handeln, und man fühlt sich dabei frei. Man übersieht dabei, dass dem bewussten Willen ein Entscheidungsprozess im Unterbewusstsein vorausgeht, auf den unser „Ich“ aktuell keinen Einfluss hat. Dabei werden alle Erfahrungen und Motive eines Menschen analysiert und miteinander verrechnet. Es findet also ein Abwägen verschiedener Motive statt, eine Handlung auszuführen oder nicht. Dabei spielt das bewusste Abwägen eine beratende, aber nicht entscheidende Rolle. Am Ende gewinnt ein bestimmtes Motiv, und dies empfindet das Bewusst sein, als hätte es selbst entschieden.

? Gibt es dafür Beweise?

Der Wissenschaftler Benjamin Libet von der Universität von Kalifornien in San Francisco fand vor mehr als zwanzig Jahren in neurobiologischen Versuchen heraus, dass die Entscheidung zu einer einfachen Handbewegung schon auf unbewusster Ebene fällt, bevor unser „Ich“ sich dafür dann bewusst entschließt.

? Immerhin räumt Benjamin Libet dem Bewusstsein noch ein Vetorecht ein, eine Möglichkeit, durch Planen und Abwägen eine Handlung zu steuern oder abzubrechen.

Libet glaubt, dieses Veto sei „rein geistig“. Dafür gibt es keinerlei Beweise. Vielmehr unterliegen die Areale im Gehirn, die dafür zuständig sind, ebenfalls der Kontrolle des Unterbewusstseins. Es wird also unbewusst entschieden, ob ich ein Veto einlege.

Apotheken Umschau

 

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