Die Hormonbehandlung
Ist eine Östrogenbehandlung nötig, auch wenn ich keine Beschwerden habe?
Eine Hormonbehandlung kann trotzdem sinnvoll sein: Sie gleicht den in den Wechseljahren auftretenden Östrogenmangel aus. Dadurch mildert sie nicht nur die Beschwerden, sondern kann darüber hinaus vor Osteoporose (Knochenschwund) und Herz-Kreislauf-Krankheiten schützen. Einige Frauen bilden auch nach der letzten Regelblutung noch genügend Östrogene. In diesem Fall ist eine Hormonbehandlung noch nicht erforderlich. Der Arzt kann dies durch Hormontests leicht feststellen.
Ich werde zur Zeit mit Östrogen behandelt. Ist das gefährlich?
Sie brauchen sich wegen der Hormonbehandlung keine Sorgen zu machen. Es wird dem Körper lediglich wieder zugeführt, was er vorher selbst hergestellt hat. Anders als in der Antibabypille sind die verwendeten Östrogene natürlichen Ursprungs und viel geringer dosiert. Sie sollten zur Kontrolle regelmäßig Ihren Arzt aufsuchen und ihm ungewöhnliche Veränderungen umgehend mitteilen.
Mein Arzt hat mir eine Hormonbehandlung empfohlen. Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Im Beipackzettel sind alle jemals beobachteten oder auch nur vermuteten Nebenwirkungen aufgelistet. Dazu ist der Hersteller gesetzlich verpflichtet. Ein Teil der aufgeführten Nebenwirkungen ist von der Pille übernommen, obwohl hier andere Östrogene mit viel stärkerer Wirkung eingesetzt werden. Dadurch entsteht ein eher negativer Eindruck, der leider oft zum Abbruch der Behandlung führt. Die in den Beipackzetteln aufgeführten Nebenwirkungen können bei einzelnen Frauen - müssen aber nicht - auftreten. Einige sind außerdem nur von vorübergehender Dauer und klingen von selbst wieder ab. Sie sollten die Behandlung bei Nebenwirkungen nicht eigenmächtig abbrechen, sondern zunächst mit Ihrem Arzt sprechen.
Ich verwende seit mehreren Jahren Östrogene. Wie lange dauert normalerweise die Behandlung?
Typische Beschwerden der Wechseljahre, wie Hitzewallungen und Schlafstörungen, treten im allgemeinen nur während eines Zeitraumes von etwa zwei bis fünf Jahren auf. Wird die Behandlung in erster Linie zur Vermeidung dieser Symptome durchgeführt, kann sie danach beendet werden. Um jedoch einer vermehrten Knochenbrüchigkeit gezielt entgegenzuwirken, sollten Östrogene mindestens acht bis zehn Jahre eingesetzt werden. Sogar die lebenslange Anwendung von Östrogenen wird von Experten empfohlen, da der verstärkte Knochenabbau in vielen Fällen nach dem Absetzen der Behandlung wieder beginnt.
Seit Beginn der Hormonbehandlung habe ich wieder Blutungen. Ist das normal, soll ich meinen Arzt aufsuchen?
Es besteht kein Grund zur Sorge. Durch die Hormonbehandlung in den Wechseljahren kann es wie im früheren natürlichen Zyklus zu einem Aufbau der Gebärmutterschleimhaut kommen. Diese wird dann in Form einer Blutung abgestoßen und anschließend wieder neu aufgebaut. Viele Frauen empfinden das als störend und brechen sogar manchmal die Behandlung deswegen ab. Dafür gibt es keinen Grund. Die Blutungen sind völlig unbedenklich und medizinisch sogar erwünscht, da der natürliche Zyklus nachgeahmt wird.
Ich habe stark an Gewicht zugenommen. Kann das mit meiner Hormonbehandlung zusammenhängen?
Selbst eine langfristige Verwendung von Östrogenen wirkt sich im allgemeinen nicht auf das Körpergewicht aus. Es kann zu Beginn der Behandlung durch vorübergehende Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe zu einem kurzzeitigen Gewichtsanstieg kommen. Dieser reguliert sich jedoch oft nach einigen Wochen. Nur wenige Frauen wissen, daß der Kalorienbedarf mit dem Alter stetig sinkt. Dies hat zur Folge, daß das Gewicht bei gleichen Eßgewohnheiten immer mehr zunimmt.
Wann soll eine Östrogenbehandlung begonnen werden, um Knochenschwund (Osteoporose) vorzubeugen?
Durch den Östrogenmangel in den Wechseljahren kann es zu einem beschleunigten Knochenschwund (Osteoporose) kommen. Eine Hormonbehandlung kann diesen Mangel ausgleichen und somit Knochenbrüchigkeit verhindern. Der bereits eingetretene Knochenabbau kann meist nicht rückgängig gemacht, sondern nur aufgehalten werden. Daher ist es sinnvoll, frühzeitig - schon zu Beginn der Wechseljahre - mit der Behandlung anzufangen.
Meine Gebärmutter wurde entfernt. Hat das Auswirkungen auf meine Hormonbehandlung?
Im allgemeinen werden zur Hormonbehandlung Östrogene und Gestagene gemeinsam verschrieben. Bei alleiniger Anwendung von Östrogenen kann es zu einem übermäßigen Wachstum der Gebärmutterschleimhaut kommen. Dies wird durch die zusätzliche Verwendung von Gestagenen vermieden. Wenn Sie keine Gebärmutter mehr haben, genügt eine Behandlung allein mit Östrogenen.
In meiner Familie gibt es Fälle von Brustkrebs. Soll ich deshalb lieber auf eine Hormonbehandlung verzichten?
Wir wissen heute, daß eine Hormonbehandlung die Häufigkeit mancher Krebsarten sogar vermindert. Der Einfluß auf das Brustkrebsrisiko dagegen ist noch nicht endgültig geklärt. Verschiedene Studien kommen hier zu unterschiedlichen Ergebnissen. Der Arzt wird im Einzelfall ein mögliches Risiko gegen den Nutzen einer Behandlung sorgfältig abwägen. Bei familiärer Vorbelastung kann auch eine Kurzzeitöstrogenbehandlung in Betracht kommen. In jedem Fall sollte die Therapie sorgfältig überwacht werden.
|