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Herzinfarkt:
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Wie hoch ist Ihr Infarktrisiko? Lesen Sie, wie Ärzte die Gefahr einschätzen, und was Sie selbst tun können, um gesund zu bleiben

Auch die aktuellen Zahlen klingen wieder alles andere als gut: Im Jahr 2004 starben in Deutschland 368.472 Menschen an Herz-Kreislauf- Erkrankungen. Damit sind diese weiterhin Todesursache Nummer eins. In etwa 67.000 Fällen war ein Herzinfarkt der Grund des Ablebens. Die Kosten für die Behandlung von Herzerkrankungen beliefen sich nach Angaben des Statistischen Bundesamts 2002 auf 35 Milliarden Euro – der größte Einzelposten bei den Gesundheitsausgaben in der Bundesrepublik. Warum ist das so? Eine Ursache liegt im Lebensstil vieler Deutscher, der durch Bewegungsarmut und fettreiche Kost gekennzeichnet ist. Auch Rauchen und erhöhter Alkoholkonsum tragen ihren Teil bei. Sie führen vermehrt zu Ablagerungen in den Blutgefäßen, der Arteriosklerose. Durch eine Kette von Ereignissen kann das einen Infarkt auslösen.

Teufelskreis aus Risiken
Vereinfachendes Schubladendenken wie „Das Cholesterin macht den Infarkt“ oder „Der hohe Blutdruck ist schuld“ dient schon lange nicht mehr als Erklärung. Die Häfte der Infarktopfer hat normale Cholesterinwerte. Zwar können die Risikofaktoren jeder für sich gefährlich sein. Richtig dramatisch wird es aber, wenn mehrere gleichzeitig auftreten. Das vervielfacht die Gefahr, denn ein Risikofaktor kann andere auslösen und verstärken. So führt regelmäßiger Konsum fettreicher Nahrung oft zu Übergewicht. Dieser Effekt nimmt zu, wenn der Betroffene Bewegung scheut. Über gewicht und Trägheit treiben zudem den Blutdruck in die Höhe und begünstigen eine Stoffwechselstörung – ein Teufelskreis.

Mediziner sprechen deshalb lieber vom Gesamtrisiko, das es abzuschätzen gilt. „Es sollte vollständig erfasst werden, unter Einbeziehung der familiär vorkommenden Erkrankungen und einer körperlichen Untersuchung, zu der auch die Blutwerte gehören“, sagt der Münchner Kardiologe Professor Wolfram Delius. Diese Vorgehensweise setzt sich durch und hat mittlerweile auch Einzug in die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie gehalten. Sie hilft etwa bei der Entscheidung, ob eine Therapie ohne Medikamente oder aber der Einsatz von Wirkstoffen sinnvoll ist. Diese Frage stellt sich bei der Behandlung von zu hohen Blutfettwerten. „Dem Cholesterin wird eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der koronaren Herzkrankheit beigemessen“, sagt Professor Joachim Thiery vom Institut für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik am Universitätsklinikum Leipzig.

Zuerst den Lebensstil ändern
Ein erhöhter LDL-Cholesterinwert (das „schlechte Cholesterin“) begünstigt eindeutig die Entstehung und das Voranschreiten einer koronaren Herzerkrankung. Das Blutfett kann sich in die Gefäßwände einlagern und dort mit der Zeit zu gefährlichen Entzündungen führen. Mittel, die den Cholesteringehalt im Blut senken – so genannte Statine –, gehören daher zum Standardrepertoire in der Kardiologie. Neueste Studien haben sogar gezeigt, dass die Cholesterinsenkung nicht nur den Herzkranzgefäßen gut tut. Auch die anderen Blutgefäße im Körper profitieren davon. „Je niedriger der LDL-Wert, desto besser ist das für den Körper“, fasst Thiery die aktuellen Ergebnisse zusammen. Das gilt vor allem für Diabetiker und Patienten, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben.

Doch bevor Arzneien wie die Statine zum Einsatz kommen, sollte jeder zuerst versuchen, durch einen gesünderen Lebensstil sein Risiko für einen Herzinfarkt zu senken. Sind die Blutfettwerte zu hoch, heißt das konkret: gesünder ernähren, fettarm essen, sich mehr bewegen. Allein diese Maßnahmen können viel bewirken. Drei- bis viermal in der Woche eine halbe Stunde zügiges Gehen senkt das koronare Risiko um 15 Prozent. Nur falls all dies nicht greift, sollten Medikamente verschrieben werden – nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung. Das heißt: Wer Statine vom Arzt verordnet bekommt, sollte sich trotzdem regelmäßig bewegen und gesund essen.

Das Gleiche gilt für einen anderen Risikofaktor, der einen Herzinfarkt begünstigt: den Bluthochdruck. Steigt der systolische Wert um 10 mmHg, nimmt die Gefahr für einen Tod durch koronare Herzkrankheit um 17 Prozent zu. Mittlerweile sind eine Reihe guter Wirkstoffe auf dem Markt, die den Blutdruck senken können, beispielsweise ACE-Hemmer und Diuretika. „Aber Personen mit niedrigem Gesamtrisiko verordne ich zunächst eine Änderung ihres Lebensstils“, betont Kardiologe Delius. Auch in diesem Fall bedeutet das: sich mehr bewegen, salzarm essen, eventuelles Übergewicht abbauen – und stets den Blutdruck im Auge behalten. Mit modernen Messgeräten geht das auch zu Hause. Zu hohe Werte steigern darüber hinaus die Gefahr für einen Schlaganfall.

Doch nicht immer können Ärzte das Risiko ihrer Patienten, durch eine Blockade der Herzkranzgefäße einen Infarkt zu erleiden, mit Befragung, Elektrokardiogramm und Belastungstests genau abschätzen. Bei Menschen, die bereits seit längerem mehrere Risikofaktoren in sich tragen, aber beschwerdefrei sind, muss ein Spezialist mitunter direkt das Herz untersuchen, um festzustellen, ob dort noch alles in Ordnung ist. Dafür hat er mehrere Möglichkeiten:

* Bei einer Ultraschall-Untersuchung unter Belastung (Stress-Echokardiografie) zeichnet ein Gerät Wandbewegungsstörungen der linken Herzkammer auf. Das erlaubt es dem Arzt, Rückschlüsse auf die Koronardurchblutung zu ziehen.

* Zum Nachweis von Verkalkungen der Herzgefäße setzen manche Ärzte heute auch Computertomografen ein. Zwischen dem Schweregrad der Verkalkung und der Wahrscheinlichkeit einer koronaren Herzerkrankung besteht ein Zusammenhang. Das Verfahren hat insbesondere Bedeutung bei Menschen mit erhöhten Risikofaktoren, die aber kaum Anzeichen einer Herzerkrankung zeigen. Der Nachteil der Methode: Die Patienten werden Röntgenstrahlen ausgesetzt. Zudem kostet der Einsatz eines Computertomografen viel Geld. Normalerweise zahlen dies nur private Krankenkassen.

* Die Vorgänge im Inneren eines Gefäßes können Kardiologen auch mit einem Katheter untersuchen. Mit Hilfe eines sehr dünnen Schlauchs spritzt der Arzt dabei ein Kontrastmittel in die Herzkranzgefäße und untersucht mit einem Röntgengerät den Blutfluss. Für diesen Eingriff entscheiden sich Mediziner allerdings nur, wenn ein Patient bereits erste Symptome spürt. Anzeichen einer solchen Angina Pectoris sind meist hinter dem Brustbein lokalisierte und in den linken Arm ausstrahlende Schmerzen.

Infarkt ohne Anzeichen
Doch ein Viertel aller Herzattacken erleiden Menschen, die keinen der üblichen Risikofaktoren aufweisen und auch nicht die typischen Symptome spüren – eine Tatsache, die Ärzten noch immer ein Rätsel ist. Zurzeit testen sie den Risikofaktor „C-reaktives Protein“ (CRP). Dieses Eiweiß wird in der Leber gebildet. „Möglicherweise weist ein erhöhter Wert im Blut auf eine Entzündung der gefährlichen Plaques in den Gefäßwänden hin“, sagt Wolfram Delius. Sollte sich hier tatsächlich ein Zusammenhang zeigen, könnte in Zukunft im Rahmen einer Routine-Untersuchung die Entzündung der Plaques mit geeigneten Medikamenten (den Statinen) frühzeitig gestoppt – und ein möglicherweise drohender Herzinfarkt so verhindert werden. Das gilt besonders für Menschen, bei denen eigentlich alles in Ordnung zu sein scheint.

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